Vom Narren zu den Finanzproblemen der Stadt Bonn - Gedanken zum Aschermittwoch von Geert Müller-Gerbes im Wortlaut

Aschermittwoch, 14. Februar 2018

von Geert Müller-Gerbes

 

Es geht heute an diesem Aschermittwoch um den Narren als solchen – Geschichte, Herkommen, was es bedeutet (narrare), im Mittelalter, im Fasching, bei Shakespeare, bei Paulus, wo wir lesen im 1. Korintherbrief, Kap. 3, 18: „Niemand betrüge sich selbst. Welcher sich unter Euch dünkt, weise zu sein in dieser Welt, der werde ein Narr, auf dass er möge weise sein.“

 

Der Narr? Ein Weiser? Es gibt einige sehr ernst zu nehmende Hinweise. Folgen wir den Erkenntnissen des Instituts für komparologische Heuristik der Universität Wormersdorf. Dort gibt es eine höchst interessante Dissertation, die sich mit der Narretei im Allgemeinen und der karnevalesken Narretei im Besonderen befasst. Hier finden wir tatsächlich Hinweise darauf, dass Paulus in seinem Brief an die Korinther den Kern getroffen haben könnte. Das ist immerhin etwa 2000 Jahre her. Narretei und Weisheit - eine Art symbiotisches Doppel?

 

Erinnern wir uns heute am Aschermittwoch an die vielfältigen Auftritte von Narren und nur verkleideten Deppen und Schwätzern und Blendern in tausenden von Karnevalssitzungen, dann fällt es schwer, diese Schlussfolgerung des Instituts für komparologische Heuristik der Unversität Wormersdorf nachzuvollziehen. Narren und Weisheit ein Synonym: Lächerlich.

 

Aber Halt, meine sehr verehrten Damen und Herren, nicht so voreilig.

 

Wer heute morgen etwa auf der Höhe der Bastei am Rhein ein Jahrhunderte altes Schauspiel beobachten konnte, der musste nachdenklich werden. Da haben schwarz gekleidete Männer mit Zylindern und ernsten Gesichtern ihre Geldbörsen gewaschen. Auf den ersten Blick verständlich - sie waren leer und mussten wieder sauber werden für neue Füllungen mit Geld.

 

Das aber ist nur ein Grund. Der wahre Grund ist eine kleine Münze in jedem Geldbeutel eines jeden Narren, die sich in einer Falte gehalten hat. Ein so genannter Bitcoin. Dieser Bitcoin ist noch vor Wochen kaum aufgefallen, jetzt aber ist er in vielen Fällen weltweit ein letzter Vermögensrest – trotz des gefallenen Kurses. Dieser Bitcoin, auf deutsch Bitt-Münze, muss gesäubert werden, wieder auf Hochglanz gebracht werden, damit eben dieser Bitcoin wieder weltweit an Wert gewinnt.

 

Und wie kann das geschehen? Man glaubt es kaum. Der Bitcoin muss mit den Panama-Papers wieder getrocknet werden. Die Panama-Papers sind besonders saugfähig und vor allem geldhaltig. Diese Sonderform der alternativen Fakten-Verbreitung führt im Ergebnis dazu, dass die im Rhein rein gewaschenen Bitcoins dank der Aschermittwochsverheißung wieder so wertvoll werden, dass sie mit den Panama-Papers gleichziehen können.

 

Was ist also das Ergebnis?

 

Wir müssen den Bonner Narren nach der Geldbeutel-Waschung dankbar sein, dass der Bitcoin wieder an Wert gewinnt und die beteiligten Panama-Papers Seligkeit verheißen werden. An genau dieser Stelle ist die Narretei in Weisheit umgeschlagen, basierend auf der Lehre der alternativen Fakten.

 

Wir könnten also mit Zuversicht der Lösung aller Finanzprobleme der Stadt Bonn entgegensehen: Die Beethovenhalle kann zügig renoviert werden, die Bonner Schwimmbäder ebenfalls, das Bad im Wasserland bekommen wir geradezu geschenkt und die Schulden mit dem WCCB werden sich in nichts auflösen.

 

Erstaunlich an der ganzen Sache ist nur, dass bis heute außer der Bonner Lese niemand von diesem Geheimnis weiß und wieder eine große Chance unwiederbringlich verloren geht. Aber wie dem auch sein - lassen wir uns von den vielen fake-news nicht jeden Tag die Stimmung verderben.

Aalaaf!