Im Zeichen der Götter - LESE-Freunde auf den Spuren der NASCA in der Wüste Perus

Wer denkt bei dem Namen Peru nicht sofort an die Kultur der Inka. In der Bundeskunsthalle jedoch erfährt man nun eindrucksvoll, dass es in dem Anden - Staat auch bemerkenswerte archäologische Erkenntnisse über ein anderes Volk zu bestaunen gibt. Davon überzeugte sich jetzt eine Gruppe von LESE-Freunden, die sich zu einer von Karin Schwippert organisierten Führung in der BKH traf.

 

Das von der archäologischen Wissenschaft nach einer peruanischen Ortschaft benannte Volk der Nasca hinterließ keine Schriftzeugnisse, jedoch eine Bildsprache auf Textilien, Keramiken und dem Wüstenboden – die geheimnisvollen Nasca-Linien, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören - Bilder, die es auf der Erdoberfläche hinterlassen hat, riesenhafte Zeichnungen im Wüstenboden, die in zwei Jahrtausenden nicht verweht sind – die sogenannten Geoglyphen. Die Nasca entwickelten eine höchst komplexe Lebensweise mit fremdartig erscheinenden Ritualen und Kunstwerken, die zum großartigsten und qualitätsvollsten archäologischen Erbe der Welt gehören. Es gibt wohl keine prähispanische Kultur, die farbenprächtigere Keramiken und Textilien hinterließ.

 

Seit zwanzig Jahren ist die Nasca-Kultur Gegenstand eines internationalen Forschungsprojekts, das jetzt in der Bundeskunsthalle  den aktuellen Zwischenstand seines Wissens präsentiert. Die meisten der spektakulären Exponate sind zum ersten Mal in Europa zu sehen.

Die Geoglyphen sind zwischen 800 vor Christus und 600 nach Christus in den Paracas- und Nasca Zeiten entstanden. In dieser Periode und auch danach war die lebensfeindliche Gegend der Pampa de Jumana stets besiedelt, vor allem in den Tälern der Flüsse Nazca, Palpa und Ingenio. Heutzutage glaubt man, nachdem viele Theorien nicht bewiesen oder widerlegt werden konnten, dass die Zeichnungen von religiöser, agrikultureller und astronomischer Bedeutung waren. So verwendete man die Tierfiguren wohl als Ablageplatz für rituelle Gaben an die Götter. Die längeren Linien sind dagegen oft an bestimmten Sonnenwendepunkten ausgerichtet. Allgemein wurde wohl aufgrund von erheblichen Klimaschwankungen zu dieser Zeit (vielleicht auch hervorgerufen durch das El-Niño-Phänomen) bei den Göttern um Fruchtbarkeit der Ländereien gebeten.

 

Wie es der Nasca-Kultur allerdings möglich war, diese riesigen Motive so perfekt in die Wüste zu scharren, ist bis heute umstritten. Eine Theorie besagt sogar, dass die Menschen damals schon in der Lage waren, einfache Heißluftballons zu bauen, mit denen sie die Bildnisse erschaffen und hinterher betrachten konnten.

Die Ausstellung präsentiert die Nasca-Kultur äußerst umfangreich: ihre Gesellschaft, ihre Geschichte und vor allem ihre Kunst. Die rund 200 Exponate erzählen faszinierende Geschichten über den Alltag der Menschen, die in fruchtbaren Tälern zwischen dem Hochland im Osten und einer dem Pazifik vorgelagerten Wüste lebten. Hier, in einem der trockensten Gebiete unserer Erde, legten sie ihre weltberühmten Bodenzeichnungen an. Nicht minder kunstvoll und raffiniert war die ungeheuer farbenfrohe Bildersprache der Nasca, die auf Keramiken und Textilien überliefert ist.

Einmütiges Urteil unserer Gruppe: Eine beeindruckende und lehrreiche Ausstellung, deren Besuch „besonders empfehlenswert“ ist.  Mit zu dem Urteil haben sicher zwei Dinge beigetragen: Zum einen die hervorragende multimediale Begleitung. Vor allem aber unser Führer Sebastian Schaaps, der es mit seiner kompetenten und zugleich lockeren Art schaffte, die 90 Minuten wie im Flug vergehen zu lassen. (de)

Fotos BKH