Künstlertyp: Malerfürst! Führung am 17. Oktober 2018

Gründerzeitliche Prachtentfaltung und Malerpersönlichkeiten - eine große Schar interessierter LESE-Mitglieder wollte gerne mehr über dieses internationale kunst- und kulturgeschichtliche Phänomen erfahren, das mit dem ersten Weltkrieg endete. In der KAH werden derzeit sieben Malerpersönlichkeiten aus München, Wien, London und Krakau vorgestellt. Sie alle waren unterwegs in den Großstädten der Welt, vor allem aber in der damaligen Kult- und Kulturstadt Paris.

 

Abb. 1

Sie haben Geld, erarbeitet mit ihrer Kunst oder auch mit ihrer Heirat. Sie leben aus dem Vollen in großen Villen, prunkvollen, oft orientalisch angehauchten Ateliers voller Statussymbole (Lieblingsobjekt: der Pfau!), malen nach Fürsten - Art gestaltete Familienbilder, sich selbst mit dem alles-durchdringenden Blick des Künstlers oder auch andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Abb. 2

Ihre Frauen? Sie sind oft die Managerinnen dieser ´Fürsten´, denn so ein Leben verlangt nach Außendarstellung, d.h. es müssen Salons, Feste und vor allem die beliebten Kostümfeste organisiert werden. Es müssen die richtigen, d.h. gut betuchten Gäste eingeladen werden, denn so ein Leben will ja auch finanziert sein! Es muss mit Galeristen verhandelt werden,  Bilder müssen auf Werbetour durch Europa gehen. Nur dann entsteht der richtige ´Hype´, der sich dann entsprechend vermarkten lässt.

Huldigungen nahmen alle Malerfürsten deshalb nur allzu gerne entgegen und verewigten sie dann auch schnell im Bild. Franz v. Stuck z.B. malte den Fackelumzug zu seinem 50. Geburtstag, er selbst nimmt vom repräsentativen Balkon die Ovationen entgegen. Wahrhaft fürstlich!

Glanzvoller Höhepunkt dieser Außendarstellung war aber der Festumzug anlässlich der Silberhochzeit von ´Sissi und Franz-Josef´ 1879 in Wien.

Abb. 3

 

Malerfürst Hans Makart (und eine riesige Schar von Helfern) stellte in nur 3 Monaten einen historisierenden Kostümumzug in Renaissancetrachten auf die Beine, basierend auf den Illustrationen Dürers vom Maximilians-Festzug. Mehr als 2000 Teilnehmer zogen vom Prater durch die neu angelegte Wiener Ringstraße. In der Ausstellung zeugen viele Skizzen, Gemälde der Festwagen und Kostüme von der überschäumenden Lebenslust dieser Epoche.

Karin Schwippert

Abb 1: Franz von Defregger Franz von Lenbach 1905 96,5 x 74 cm Öl auf Leinwand © Münchner Künstlerhaus-Stiftung

Abb 2: Friedrich August von Kaulbach Geraldine Farrar 1906 Öl auf Leinwand 116,5 x 92,5 cm © Landesmuseum Hannover - ARTOTHEK

Abb 3: Hans Makart Entwurf zum Festzug, Jagdgruppe Detail, Öl auf Leinwand 65x279 cm ©Wien Museum