Datenschutz und Karneval - Forschungsergebnisse des Instituts fur komparologische Heuristik der Universität Wormersdorf - Die Aschermittwochsrede im Wortlaut

Dinner Speech beim Aschermittwochsessen  2019 der Lese- und Erholungsgesellschaft

           von Lesefreund Geert Müller - Gerbes

 

 

 

Seit gut einem Jahr, ach was, eigentlich schon viel länger treibt uns eine entscheidende Sorge um: was eigentlich geschieht mit unseren ganz persönlichen Daten, wer darf mich kennen, wer darf mich mit Namen ansprechen, wer darf wissen, wer ich bin, wie ich heisse, ob ich gesund bin oder krank, darf ich im Wartezimmer meines Arztes mit meinem Namen aufgerufen werden oder bin ich erst dann dran, wenn die Arzthelferin für alle hörbar mitteilt: jetzt der Herr mit dem Prostata-Leiden.

 

Glücklicherweise gibt es dazu jetzt ein bürokratisches Monster aus Brüssel mit dem leicht zu merkenden Titel EU-DSGVO,genauer Europäische Datenschutz Grundverordnung. Der verbindliche Erlass dieser offensichtlich lebenswichtigen Grundverordnung war für das Institut für Komparologische Heuristitk der Universität Wormersdorf Anlass Genug, den Datenschutz und seinen Ursprung einmal gründlicher zu erforschen.

 

Das Ergebnis überrascht nur den Laien.

 

Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Datenschutz und Karneval, zurückverfolgbar bis weit ins Mittelalter.

Warum trugen fast alle Menschen im Karneval in Venedig Masken? Damit sie nicht erkannt werden konnten, damit sie anonym und damit nicht verfolgbar blieben. Guiseppe Verdi hat mit seinem Maskenball eine tolle Oper aus dieser Verkleidungssucht gemacht und die operettenhafte komische Oper „Die Fledermaus“ kommt schon gar nicht ohne Masken aus. Der Narrensprung in Rottweil lebt davon, dass sich die Narren seit hunderten von Jahren in fabulöse Wesen verwandeln, damit sie unerkannt ihren Schabernak treiben können. Auf fast allen Erdteilen ausser in Friesland verkleiden sich Menschen im Karneval, zum Anfang der Fastenzeit, am Ende des Winters, zur Bekämpfung böser Geister mit dem Ziel, nie erkannt zu werden und damit auch jeder Bestrafung zu entkommen.

 

Maske vor das Gesicht, Schminke vor den Mund, die Augen verdeckt – so ist der Datenschutz perfekt. Jeder ist anonym, kann nicht verfolgt werden, ist also sicher.

 

Die grosse Frage stellt sich nun aber wirklich: warum sind die besorgten Datenschützer nicht bei der tausendfach erfolgreich erprobten mittelalterlichen Maske geblieben.

 

Auch hier waren die Wissenschaftler vom Institut für Komparologische Heuristik der Unversität Wormersdorf bei ihren Recherchen erfolgreich.

 

Sie konnten nachweisen, dass im Laufe der letzten Jahrhunderte die Bürokratie und die Intelligenz sich umgekehrt proportional entwickelt haben. Zu deutsch: Die Regulierungswut steigerte sich ins Unermessliche und die nötige Intelligenz drohte völlig zu verschwinden.

 

Die Folge: eine Datenschutzgrundverordnung für ganz Europa mit dem Ergebnis, dass heute sogar in Karnevalssitzungen Spielereien mit Namen wie etwa Annegret Kramp-Karrenbauer selbst dann Schlagzeilen machen, wenn sie mit „AKK“ verbrämt werden – wie jüngst geschehen. Und das ist noch nicht alles.

 

Die komparologischen Heuristiker konnten zudem erklären, warum die gesamte Datenschutzgrundverordnung für die Katz ist, ja geradezu Kokolorus. Weltweite Grosskonzerne wie Facebook, Instagram, Google oder What’s App haben sich der geschützten Daten angenommen, sie in ihre eigenen Programme integriert und bieten sie meistbietend weltweit an. Hier schliesst sich ein Kreis: die ursprüngliche Idee der Maskierung ist in den Händen von Pseudo- Karnevalisten verballhornt und damit ins Gegenteil verkehrt worden.

 

Es scheint, als sei der gesamte Datenschutz ein einziger böswilliger Karnevalsscherz.

 

Wenn das alles nur nicht so ernst wäre: Stellen Sie sich vor, eine Frau bekommt von einem Anbieter eine mail, in der ihr zu ihrer Schwangerschaft gratuliert und gleichzeitig ein Angebot zum Kauf von Babywäsche gemacht wird. Die Frau ist höchst erstaunt, sie glaubt an einen Scherz, bis ihr Arzt sie aufklärt: Ja, sie bekommt ein Baby. Was sie nicht weiss, geschweige denn ahnt: der Anbieter hat ihr on-line Kaufverhalten im Internet der letzten Wochen analysiert, es mit dem Kaufverhalten von Frauen in den ersten Wochen ihrer Schwangerschaft verglichen und messerscharf geschlossen: aha, hier entsteht eine neue Kundin.

 

Und jetzt? Hatte George Orwell mit seinem Buch „1984“, geschrieben 1948, wohl doch nur einen Zipfel der Totalüberwachung erahnt, die er warnend beschrieb. War die Maskierung im Mittelalter zwar wirksam, aber harmlos – gemessen an den heute erkennbaren Ausbeulungen?

 

Das Institut für Komparologische Heuristik der Universität Wormersdorf hat gerade heute am Aschermittwoch mitgeteilt, dass es ab sofort alle Veröffentlichungen einstellt. Aus Datenschutzgründen für alle Mitarbeiter.

 

Da hilft auch kein Alaaf mehr.

 

 

 

 

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