Einblicke in das Leben der Benediktiner und den Weinbau im Siebengebirge - die Aprilwanderung -

ein Bericht von Richard Keller

Zu ihrer monatlichen Lese-Wanderung trafen sich jetzt 24 Wanderfreunde am ehemaligen Kloster Heisterbach. Dabei standen gleich zwei Punkte auf dem Programm: Eine Führung in der ehemaligen Abtei Heisterbach gefolgt von einer Weinwanderung.

 

Zur Führung in der ehemaligen Abtei Heisterbach, einer Zisterzienser-Abtei im Siebengebirge (Stadtgebiet Königswinter) wurde die Gruppe vom Kuratoriumsmitglied der Stiftung Abtei Heisterbach“, Gerhard Schade in der Zehntscheune empfangen.

 

                                                       Foto Karin Starzmann-Schäfer

 

Der Orden der Zisterzienser entstand 1089 als Reformbewegung im benediktinischen Mönchtum. Weitab von besiedeltem Gebiet sollten die Mönche den benediktinischen Grundsatz „Bete und arbeite“ verwirklichen. Bernhard von Clairvaux (1090-1153) führte den Orden von Citeaux zu seiner Blüte.

 

Auf Ersuchen des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg zogen zwölf Mönche der Abtei Himmerod in der Eifel unter Führung von Abt Hermann zur Gründung der Abtei Heisterbach aus. Als sie am 22. März 1189 ankamen, bezogen sie die verlassenen Gebäude einer Augustinereremitenklause auf dem Petersberg. 1202 war die Umsiedlung ins Peterstal (Heisterbach) abgeschlossen.

 

Die Abteikirche wurde am 18. Oktober 1237 konsekriert. Mit 88 m Länge übertraf dieser Bau, der zisterziensische und niederrheinische Bauelemente vereint, alle romanischen Kirchen Kölns, außer dem damals romanischen Dom. Über 600 Jahre prägten Gebet und Arbeit der Mönche die Region, bis durch die Säkularisation von 1803 auch Heisterbach aufgehoben wurde.

 

1804 bot die bergische Landesregierung die Abtei vergeblich zum Kauf an. 1809 wurde die Abteikirche zum Abbruch verkauft und die Steinquader zum Bau des Nordkanals zwischen Venlo und Neuss und später zum Bau der Festung „Ehrenbreitstein“ bei Koblenz verwendet. 1820 erwarb der Graf zur Lippe-Biesterfeld das Gelände innerhalb der Klostermauern. Der von ihm unter Einbeziehung der Chorruine errichtete englische Park, ließ Heisterbach zum beliebten Motiv der Rheinromantik werden.

 

Als 1919 die Cellitinnen nach der Regel des hl. Augustinus den Gesamtkomplex erwarben, zog wieder klösterliches Leben in die alten Mauern ein. 1984 wurde die „Stiftung Abtei Heisterbach“ gegründet. Sie hat sich die Pflege und Erforschung dieses Kulturerbes zur Aufgabe gemacht.Die Gesamtanlage, wie sie im Grunde genommen schon seit dem 13. Jhd. in ihrer Struktur vorhanden war, zeigte uns Herr Schade auf einem Standbild:

 

 

Themen der Ausstellung in der Zehntscheune sind1:

* Geschichte des Zisterzienserordens (mit den Tafeln der Aachener Zisterzienserausstellung von 1980)

* Exponate aus den Ausgrabungen, die Orginal-Brunnenschale aus dem Brunnenhaus,  Rekonstruktion eines Arkadenjochs des Kreuzganges mit Orginalteilen, Mühlenmodell.

 

 

An der Originalbrunnenscheibe aus dem südlich des Kreuzganges gelegenen Brunnenhaus2, die wir in der Zehntscheune sahen, wuschen sich die Mönche die Hände, bevor sie das ebenfalls an der südlichen Seite gelegene Refektorium betraten.

 

Nach dieser Einführung in der Zehntscheune führte uns Herr Schade zur Chorruine und beschrieb die Architektur der Abtei3.

 

Von der Abtei Heisterbach ist weder eine Gesamtansicht, noch ein Lageplan erhalten. Archäologische Untersuchungen im Zuge der „Regionale2010“ haben erstmals Rückschlüsse auf den tatsächlichen Gebäudebestand in Heisterbach ergeben. Diese ermöglichte eine Rekonstruktion der Abtei und hatte zum Ergebnis, dass auch die Abtei Heisterbach im Wesentlichen dem Idealplan eines Zisterzienserklosters entsprach.

 

Die Kirche war das wichtigste Gebäude einer Abtei, meist in Ost-West-Richtung gebaut. Der sich am südlichen Kirchenschiff anschließende Kreuzgang verband die übrigen Konventsgebäude miteinander. An der östlichen Seite des Kreuzganges befanden sich die Sakristei und die Bücherkammer, der Kapitelsaal, gelegentlich auch das Skriptorium, das häufig der einzig beheizte Raum des Klosters war. Oberhalb dieser Räume befand sich der Schlafsaal der Mönche. Über eine Treppe konnten sie zum Chorgebet direkt in die Kirche gehen. Auf der südlichen Seite des Kreuzganges befand sich zu seinem Innenhof hin das Brunnenhaus. Gleichzeitig lieferte der Brunnen Trinkwasser und das Wasser für die Küche, sofern es für sie keine eigene Wasserversorgung gab. Ebenfalls an der südlichen Seite des Kreuzganges befanden sich die Latrinen. Auf der westlichen Seite des Kreuzganges bildeten die Werkstätten und Lagerräume den Abschluss der Abtei.

 

Weinwanderung

 

Eine kleine Apfelpause auf dem Klostergelände danach musste noch sein. Dazu las Ewald Stöwe einen liebenswerten Gruß von Frau Hirschfelder an die Wanderfreunde, verbunden mit einer großzügigen Bonbonspende, vor.

 

Dann begannen wir die Weinwanderung , wobei wir schnell feststellten, dass es am ehemaligen Kloster Heisterbach offensichtlich keinen Bezug zum Weinbau gibt. Dagegen ist einzuwenden, dass die Zisterziensermönche im Mittelalter die Weinanbautradition der Römer mit großem Können und Geschick fortführten. Die Mönche des Klosters Heisterbach spielten also für die Entwicklung des Weinbaus im Siebengebirge durchaus eine wesentliche Rolle.

 

Wir nehmen den Wanderweg, am neuen Teich vorbei, in Richtung Dollendorfer Hardt, durchqueren den hohen Mischwald und umrunden auf dem südlichen Waldweg die Hardt. Im Mischwald sind wir auf die forstwirtschaftliche Nutzung durch die Mönche von Heisterbach eingegangen, die neben der Weinkultur eine wesentliche Rolle im Mittelalter spielte. Sie wurde als Niederwaldwirtschaft betrieben. Dabei werden die Bäume nur 20 bis 30 Jahre alt und haben eine Größe von
8 bis 12 m. Aus den Wurzelstöcken wachsen durch die neuen Triebe die nächsten Bäume. Es ist eine intensive Forstwirtschaft, wodurch ausgelaugte Böden entstanden. Erst mit der Entdeckung der Kohle ging man zur Hochwaldwirtschaft über, bei der die Bäume bis zu 100 Jahre alt wurden. Ewald Stöwe weist darauf hin, dass im Umfeld von Niederholtdorf die ehemalige forstwirtschaftliche Niederwaldnutzung immer wieder erkennbar ist. Mit der Besetzung des Rheinlandes durch die Preußen ab 1815 wurde auch die planmäßige forstwirtschaftliche Nutzung und die Aufforstung mit Nadelbäumen (z.B. Fichte, Kiefer) eingeführt.

 

Wir verlassen den Wald und befinden uns auf dem Westhang der Dollendorfer Hardt. Es handelt sich um die nördlichste Erhebung des Siebengebirges mit ca. 250 m. Der Blick geht über die Weinbau-Einzellagen Rosenhügel, Laurentiusberg und Sülzenberg. Heute ist die Anbaufläche in Oberdollendorf auf etwa 7 ha geschrumpft und wird von einem Winzer, der Familie Blöser in der Bachstraße, betrieben.

 

Schließlich kommen wir zur „Hülle“, dem Aussichtspunkt oberhalb der Weinlage. „Hülle“ oder „Auf der Hülle“ heißt dieser Ort, der von altersher mit Brauchtum und Geschehen des Weinortes verbunden ist. Von hier überblickt man die drei oben genannten Einzel-Rebenlagen der Dollendorfer Weinberge. Unterhalb des Platzes wurde das Gelände um mehrere Meter abgetragen. Im Rahmen dieser Flurbereinigung wurde auch der frühere „Hüllenweg“ teilweise aufgehoben. Ich bin inständig gebeten worden, dem Wort „Hülle“ nachzugehen. Zu guter Letzt habe ich nun den 1. Vorsitzenden des Heimatvereins Oberdollendorf und Römlinghoven e.V., Dr. Peter Kummerhoff, gefragt. Nach langwierigen Recherchen geht man hier davon aus, dass der Begriff die Umhüllung der Taleinbuchtung beschreiben soll. Ganz sicher ist man hier jedoch auch nicht: früher hat man auch die Verbindung zur Hölle gesehen.

 

Vom Aussichtspunkt „Hülle“ sehen wir über das Rheintal hinaus im Westen auf die markante Erscheinung des astrophysikalischen Instituts in Wachtberg und auf die Godesburg. Im Norden befindet sich die Bundesstadt Bonn mit dem Posttower und natürlich auch dem langen Eugen. Im Süden sind die Erhebungen Ölberg, Nonnenstromberg, Petersberg und Drachenfels zu erkennen.

 

Der auf dem Platz der „Hülle“ befindliche Steinkreis wurde 1987 archäologisch untersucht. Hinweise auf einen vorgeschichtlichen Ursprung gibt es nicht. Vermutlich war es der Standort eines Martinsfeuers im 19. Jhdt.

 

Mit dem Weinlehrpfad durchwandern wir die Rebanlagen und kommen zum Gut Sülz. Das Fachwerkgebäude stammt von 1656, erstmals erwähnt wurde das Gut Sülz bereits 996. Der Sülzenberg gehört zu dem auf das 10. Jahrhundert zurückgehenden früheren Freihof Gut Sülz. Das Gut war seit dem 14. Jahrhundert Eigentum der Abtei Heisterbach und bis 1803 Mittelpunkt der Heisterbacher Weinwirtschaft. Seit 1823 ist es in wechselndem Privatbesitz. Bis 1967 wurde Weinanbau betrieben und danach ausschließlich Weinhandel und Gastronomie. Die Anbauflächen wurden durch ein Flurbereinigungsverfahren von 1973 bis 1979 neu geordnet.

 

Nun steigen wir durch das Mühlental auf. Die am Standort der Abtei vorhandenen Wasservorkommen wurden nicht nur zur Versorgung der Abtei mit Trink- und Brauchwasser genutzt, sondern im Rahmen der Klosterwirtschaft auch zur Anlage von Fischteichen und zum Betrieb von Mühlen durch Wasserkraft. Durch die in der Mehrzahl zum Wirtschaftsbetrieb des Klosters gehörenden zahlreichen Mühlen gelangte das Tal zwischen Heisterbach und Oberdollendorf zu seinem Namen „Mühlental“. An dem Bach, der von Heisterbach kommend durch Oberdollendorf in Richtung Rhein verläuft, standen um 1800 ca. 18 Mühlen. Ihre Zahl ging im Laufe des 19. Jahrhunderts zurück. Einige, wie die so genannte Schleifmühle verfielen, andere wurden für Wohnzwecke weiterhin genutzt. Innerhalb der Klostermauern befand sich im Brauhaus eine weitere Mühle, die durch den südlichen Teich gespeist wurde und noch 1808 durch den damaligen Pächter betrieben wurde.Nach Überquerung der L268 kommen wir an unseren Ausgangspunkt, das ehemalige Kloster Heisterbach, zurück.

 

Im Rahmen meiner Einladung habe ich für die Strecke bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4 km/Std. für die rund 6 km 1 ½ Std. angesetzt. Schon zu Beginn der Wanderung wurde ich von Frau Dellmann darauf hingewiesen, dass die geplante Durchschnittsgeschwindigkeit dem Alter der Wanderer nicht angemessen sei. Frau Dellmann wurde am Ende bestätigt: die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 3 km/Std. und wir brauchten 2 Std.

 

Nach Schluss der Wanderung sind wir in der Klosterstube Heisterbach eingekehrt. Es war eine schöne Wanderung und das Endprotokoll als Limerick von allen unterzeichnet zeigt folgenden Wortlaut:

 

 

1 Einzelheiten sind dem Internetauftritt der Stiftung Abtei Heisterbach entnommen (https://www.abtei-heisterbach.de/)

2Foto aus der Zehntscheune als Bestandteil des Internetauftritts der Stiftung

3Vgl. für den nachfolgenden Text die Darstellungen zur Architektur im Internetauftritt der Stiftung.