Die LESE IN Zeiten des CORONA - Virus - Anregungen zur Kommunikation unter LESE - Mitgliedern

(DE.) Die Überlegungen des Vorsitzenden der LESE, Dr. Ulrich Spindler zu möglichen Wegen, wie die Mitglieder in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen und Absagen von vielzähligen Veranstaltungen in Kontakt bleiben können, haben zu diversen Rückmeldungen und Anregungen geführt, über die es sich sicher lohnt, nachzudenken und zu diskutieren.

Zwei der Beiträge veröffentlichen wir hier im Wortlaut. Auf Bestreben unseres früheren Vorsitzenden, Johann Hahlen hatte die LESE auf ihrer Homepage eine Diskussionsplattform eingerichtet und die Mitglieder aufgefordert, sich dort lebhaft zu Themen aller Art, insbesondere aber zur LESE der Zukunft zu äußern. Leider fand diese Bitte nur geringe Resonanz.

 Vielleicht ist jetzt die Zeit, die Kommunikation über dieses Forum aufzunehmen und zu intensivieren. Der Vorstand bittet herzlich darum. Die beiden Beiträge unserer LESE - Freunde Johann Hahlen und Prof. Dr. Günter Sokoll, die im folgenden veröffentlicht werden, bieten jede Menge Ansätze zu Kommentaren. Wir freuen uns auf zahlreiche Diskussionsbeiträge.

 (Die Forumsplattform ist nur im Mitgliederbereich erreichbar. Dazu müssen Sie im Mitgliederbereich registriert und angemeldet sein. Registrieren - sofern noch nicht geschehen - können Sie sich auf unserer Startseite unten rechts. Nach Ihrer Registrierung wird Ihr Zugang freigeschaltet. Wenn Sie sich dann angemeldet haben, erscheinen über dem Banner (oben) zusätzliche Menüpunkte, die nur für Mitglieder zu sehen sind. Klicken Sie nun auf "Forum", und schon können Sie Ihren Beitrag schreiben.)

 

Hier die Gedanken und Fragen von Johann Hahlen

In der Tat sind wir alle - und gerade wir Ältere als die sog. Risikogruppe - von der Corona-Pandemie betroffen und machen uns - zu Recht - Sorgen.

 Neben den gesundheitlichen Sorgen haben wir jedoch aus meiner Sicht auch allen Anlass, uns um den Zusammenhalt unserer LESE, unserer deutschen Gesellschaft und unserer freiheitlichen Demokratie, die ohne eine funktionierende soziale Marktwirtschaft kaum überlebensfähig ist, Gedanken zu machen.

 Wegen dieser recht grundsätzlichen Problematik - so meine ich - ist unsere LESe gefordert, sich "aufklärerische“ Gedanken zu machen. Das haben unsere „Gründungsväter“ im Zusammenhang mit der französischen Revolution, den Demokratieversuchen der 1848er, nach der sog. kleindeutschen Lösung im Kaiserreich, in der Weimarer Republik und - so hoffe ich - auch in der Nazizeit und sicher in der Nachkriegszeit getan. Um einen solchen, lebendigen, uns gegenseitig erhellenden, vielleicht mitunter verstörenden, aber immer weiterführenden, nicht banal, aber ruhig kontroversen Dialog unter den LESE-Freunden/innen geht es mir.

 Ich räume ein, dass die Erfahrungen mit unserem Diskussionsforum in 2019 nicht gerade ermutigend sind. Dennoch würde ich mich sehr freuen, wenn wir in der LESE einen neuen Anlauf wagten und nicht schweigend in unseren gewiss sehr nützlichen Selbstisolationszellen verharrten.

 Um einmal einen „Stein in den Teich von LESE im Gespräch zu werfen“ - hier einige Fragen von mir:

 - Ich frage mich, ob unsere Regierungen mit dem Runterfahren unserer Wirtschaft und dem als Kompensation gedachten Schnüren von „Rundum- Sorglos-Paketen“ in unübersehbaren Milliarden-Euro-Höhen auf die Corona-Krise richtig reagieren. Denn:

Der Virus ist auf unserem Planeten; wir werden ihn - wie Grippeviren und dgl. - in absehbarer Zeit nicht wieder loswerden. Bis zu einem wirksamen Impfstoff bzw. einem hilfreichen Medikament wird es dauern; Fachleute rechnen realistisch mit zwölf Monaten oder länger.

 Wir werden aber - weder in D noch in der EU noch in den USA oder China - solange die Wirtschaft nahe null halten und etwa 82 Mio. Menschen in D staatlich alimentieren können. Bund und Länder können nur das verteilen, was sie via Steuern einnehmen. Auch die EZB kann nicht beliebig Geld verteilen, sprich drucken, indem sie Staatsanleihen aufkauft und so das Bankensystem stützt (das sich wie etwa die französischen Banken mit italienischen Anleihen voll gestopft hat, die jetzt an Wert verlieren).

 Ich frage mich weiter: Kann denn ein Staat seinen Bürgern 100 Prozent Gesundheit garantieren? Ich meine, das hat auch unser - nicht hoch genug zu lobender - Sozialstaat noch nie versucht. Wir haben 2017/2018 eine Grippewelle mit ca. 25000 Toten in D kommentarlos weggesteckt, leben schon immer mit schrecklichen, unheilbaren Krankheiten (die vielen Hunderttausend Krebspatienten in D verdrängen wir gerne) wie etwa ALS u. a. Ich erinnere mich noch gut, wie ich in meiner Kindheit Angst hatte, an Kinderlähmung zu erkranken und wie froh ich war, als wir in der Schule die Zuckerklümpchen mit dem Salk-Impfstoff bekamen. Kurz, unser Sozialstaat kann seinen Bürger, uns und mich, nicht vor allen Lebensrisiken bewahren. Gewiss muss er dafür sorgen, dass der Straßenverkehr möglichst ohne Unfälle und Personenschäden abläuft - aber ihn zu unterbinden (dann gäbe es gar keine Unfälle mehr), drauf ist noch niemand gekommen.

 - Von daher frage ich mich, ob wir das Ausmaß der Corona-Krise und deren schlimme Folgen mit den ergriffenen Maßnahmen nicht noch schlimmer machen. Ja, es ist vernünftig und nötig, dass wir unsere Kliniken ertüchtigen, die Kapazitäten für Intensivbetten/ Beatmungen vergrößern und Infizierte sowie deren Kontaktpersonen für die medizinisch angezeigte Frist isolieren. Wie der Kölner Stadtanzeiger heute berichtet (S. 26 unten), gab es am 26. 3. in Köln 1075 Infizierte (nach 1002 am 25. 3.), davon wurden 43 in Krankenhäusern behandelt, 14 darunter auf Intensivstationen, davon acht an Beatmungsplätzen sowie insgesamt fünf Todesopfer. Aber täglich sterben in D über 2500 Menschen, 2016 (die letzte mir zugängliche Zahl) waren es insgesamt rd. 910000 Menschen. Das sind schreckliche Zahlen; jeder Tote ist einer zu viel. Aber unser Leben ist - ob wir es wollen oder nicht – endlich; das verdränge ich gerne und tagsüber recht erfolgreich. Jedoch weder das RKI noch ein wirksamer Impfstoff gegen das Corona-Virus werden daran etwas ändern.

 - Sollten wir uns bei dieser Gesamtlage nicht wieder mehr Gedanken über Sinn und Zweck unseres Lebens machen? Ja, ich müsste in mich gehen und mich fragen, was ich mit der mir verbleibenden, immer kürzer werdenden Zeitspanne meines Lebens anfange. Auch darüber unter LESE- Freunden/freundinnen nachzudenken, scheint mir sinnvoll zu sein. 

 

Und nun die Gedanken von Lesefreund Prof. Dr.Günther Sokoll

Der Neue Virus mit dem unverdient schönen, wissenschaftlich unscharfen und verharmlosenden Namen "Corona" und seiner sperrigen, unsympathischen, aber wissenschaftlich korrekten Bezeichnung Covid-19 hat die Große und die Kleine Gesellschaft "fest im Griff", wie es in den Medien heißt. Eben auch unsere LESE und deren vielfältiges, anspruchsvolles Innenleben! 

Ich stimme den Ideen der LESE-Freunde Spindler und Hahlen grundsätzlich zu, Kontakte, Kommunikation und auch Inspiration innerhalb der LESE in der gegenwärtigen und wohl noch eine ganze Weile andauernden Krise nicht verkümmern zu lassen. 

Mit dem Hinweis auf die beiden Gesprächskreise, die sich im weitesten Sinne mit Zeitgeschehen, Lektüre, Aufklärung und Zeitgeist befassen, fühle ich mich für "LESE im Gespräch" angesprochen.  

Die Gesprächsagenda bei diesem LESE-Format ergab sich bisher tagesaktuell aus der jeweiligen Nachrichtenlage. Worüber würden/müssten wir uns in der nächsten Zeit im Diskurs austauschen, wenn wir physisch zusammenkommen dürften? Es wäre zweifellos das alles dominierende Thema "Corona" mit seinen virologischen, medizinischen, ökonomischen, politischen, gesellschaftlichen, familiären und persönlichen Implikationen. Wie würden - und könnten im Wesentlichen nur - Fakten, Problemanalysen und Prognosen zusammentragen, die jeder/jede von uns im Stundentakt aus den Medien aufnimmt. Es käme relativ wenig Neues und Überraschendes zu diesem komplexen Thema auf den Tisch. Und wenn dies für den Fall eines persönlichen Zusammentreffens so wäre, so wäre es bei einem elektronisch unterstützten, weniger persönlichen Austausch über eine Plattform kaum anders. Eine Reaktion, "Das interessiert doch momentan niemanden" sollte vielleicht vermieden werden. 

Anders als etwa beim Gesprächskreis "Aufklärung und Zeitgeist", wo nahezu zeitlose Probleme wie Toleranz, Demokratie, Egoismus, Solidarität für unsere Zeit dank großartiger Vorbereitung durch den Vorsitzenden auf beachtlichem Niveau aufgearbeitet werden können, lebt die Diskussion bei "LESE im Gespräch" von insgesamt gewertschätzter Spontaneität, politischem Temperament, mehr oder weniger großer Bereitschaft zum Meinungskompromiss. Es scheint mir schwer vorstellbar, das Anliegen dieses Gesprächsformats im Rahmen einer elektronischen Plattform zu präsentieren oder zu simulieren. Wer sich dies zutraut und wem dies gelingt, der könnte sich in der Tat um die Überbrückung der LESE-armen Zeit an dieser Stelle sehr verdient machen. 

Ich glaube, dass die Stornierung der LESE-Veranstaltungen vorläufig noch kein akutes Isolationssyndrom auf Seiten der Mitglieder auslöst. Dazu stehen die allgegenwärtigen Gesundheits- und mittelfristigen Versorgungsprobleme für die meisten, insbesondere auch der älteren Generation, im Vordergrund. Allerdings gibt es auch ein Interesse, dass die Bindung an die LESE nicht nach längerer Zwangspause einschläft und Schaden nimmt. Noch ist Zeit, die unübersichtliche Entwicklung der nächsten Wochen abzuwarten und dann aufgrund einer stabileren Datenlage zu Schlussfolgerungen zu kommen.

Meine momentan zurückhaltende Position, schon jetzt ein elektronisch unterstütztes LESE-Programm in Dialogform anzubieten, ist - ehrlicherweise - auch von der ersichtlichen Zurückhaltung der LESE-Mitglieder geprägt, unsere Internet-Diskussionsplattform zu nutzen, aber auch von der Erfahrung des vergangenen Jahres, wie begrenzt die Diskussionsfreude zu Kernthemen der LESE war.

Bei aller Zurückhaltung bin ich sehr sicher, dass die so positiven und dem Geist der LESE dienenden Anstöße der Herren Hahlen und Spindler in den kommenden Wochen und Monaten ihre Wirkung haben werden.

Erhalten Sie sich alle Ihre Gesundheit, sichern Sie sich Ihre Einkäufe und erfreuen Sie sich an der Frühlingsnatur, die so unschuldig daher kommt, als sei "Corona" ein Naturereignis, mit dem sie nichts zu tun haben will.

Schließlich sei noch darauf hingewiesen, dass Lesefreund Dr. Emil Schwippert seine Gedanken zu dem Thema bereits im Forum geäußert hat.