Virtuoses Feuerwerk bein Jahreskonzert der Lese - Judith Stapf und Marco Sanna beeindrucken

(de) Traditionell lädt die Bonner Lese-und Erholungsgesellschaft von 1787 jährlich zu einem Neujahrskonzert. Wegen der Einschränkungen durch CORONA musste der Termin lange warten. Und so begrüßte der Vorsitzende der LESE, Dr.Emil Schwippert rund 40 Lesemitglieder im Haus der evangelischen Kirche in Bonn jetzt zu einem „Neujahrskonzert im Herbst.“

Foto:&arin Schwippert

Für das lange Warten allerdings wurden die Besucher wunderbar belohnt. Mit den vielfach ausgezeichneten herausragenden Künstlern Judith Stapf (Violine) und Marco Sanna (Klavier) begeisterte sie ein Duo, das seit vier Jahren zusammen auftritt, mit präzisem, virtuosem, lebendigem und lebhaftem Spiel. Man hatte im Verlauf der Matinee den Eindruck, Judith Stapf spiele sich, wie eine Besucherin spontan formulierte, „in den Himmel“.

Zur Aufführung kamen Ludwig van Beethovens Sonate für Violine und Klavier A-Dur,op.12Nr.2 sowie die Sonate für Violine und Klavier Es-Dur, op.18 von Richard Strauss. Neben diese Meisterwerke setzten sie mutig in einem unerhörten Kontext Werke unbekannter Komponistinnen: Beethovens Töchter - Slawische, französische, niederländische und amerikanische Frauen, die rund 100 Jahre nach Beethoven gegen die Widerstände der Zeit ihre Stimmen erhoben. Hier kamen die US-Amerikanerin Amy Beach (1867 -1944) und die Französin Pauline Viardot (1821 – 1910) mit ihren Stücken „Romance for Violin and Piano, op.28 und „Six Morceaux „zu Wort“.

 

Zu Beethovens Töchtern ein Auszug aus Judith Stapfs Homepage (https://www.judithstapf.de/start.html):

Im Zuge ihrer Recherchen zu Konzertprogrammen merkte Judith Stapf bald, wie eingeschränkt der klassische Konzertbetrieb doch immer wieder die gleichen Werke immer gleicher (in der Regel männlicher) Komponisten präsentiert. Sie wurde neugieriger auf die weibliche Lesart der Musikgeschichte, auf Frauen, die unter zum Teil widrigen Umständen ihren musikalischen Ausdruckswillen durchsetzen mussten. Sie entdeckte Werke von unglaublicher Qualität und eine Strahlkraft, die entsteht, wenn etwas, das lange durch gesellschaftliche Konventionen eingeschlossen ist, plötzlich und endlich freigesetzt wird.

 

Das Projekt "Beethovens Töchter" war entstanden! Es ist das Experiment im Beethovenjahr 2020 und gefördert von der Beethoven-Jubiläumsgesellschaft, Bonn, Rezitale zu präsentieren, in denen Beethovens großartige Violinsonaten Musik von unbekannten Komponistinnen quasi "Huckepack" nehmen. Nach den ersten sechs ausverkauften Konzerten, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurden, entwickelt Judith Stapf diese Idee nun mit größerformatigen Besetzungen weiter. Anfang 2022 gibt es eine erste CD mit Werken der amerikanischen Komponistin Amy Beach, deren Romanze beim Konzert in der Bonner Lese zu hören war.

Großer Applaus dankte dem Duo, das seinerseits die Besucher zum Abschluss mit dem Werk Cortege für Violine und Klavier von Lili Boulanger (1893 - 1918)  noch ein Mal ein musikalisches Feuerwerk entzündete.

Unsere Interpreten

Die Geigerin Judith Stapf, geb.1997 in Rheinbach, beeindruckt schon früh durch ihr immenses musikalisches Vermögen und die Reife, mit der sie sich künstlerisch entfaltet. Ihre Ausstrahlung, die Vielschichtigkeit ihrer Interpretationen ziehen das Publikum unmittelbar in den Bann. Mit elf Jahren beginnt sie ihr Studium an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Später gehört sie zur ersten Generation Studierender an der neu gegründeten Barenboim-Said-Akademie in Berlin, wo sie neben einem studium generale in Philosophie, Literatur und Geschichte, künstlerisch von Daniel und Michael Barenboim betreut wird.

Aktuell studiert sie im Masterstudiengang an der UDK Berlin bei Mirijam Contzen. Meisterkurse bei Saschko Gawriloff, Nora Chastain, Pinchas Zukerman, Aaron Rosand und Boris Kuschnir ergänzen ihre Ausbildung.

Judith Stapf ist Preisträgerin zahlreicher nationaler und internationaler Violinwettbewerbe und wird 2014 vom WDR zur deutschen Vertreterin für das Finale des Eurovisionswettbewerbs "Young Musicians" in Köln nominiert. Das Land NRW verleiht ihr 2015 den "Nachwuchsförderpreis in der Sparte Musik" und im gleichen Jahr wird sie in die "Studienstiftung des Deutschen Volkes" aufgenommen.


Judith Stapf spielt regelmäßig Rezitale und Kammerkonzerte, u.a. im Rahmen des Beethovenfestes Bonn, bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern und des Rheingau Musik Festivals. Als Solistin überzeugt sie an der Seite renommierter Klangkörper, wie den Dortmunder Philharmonikern, dem Beethoven Orchester Bonn, den Duisburger Philharmonikern, dem WDR Sinfonieorchester und der Neuen Philharmonie Westfalen.

Judith Stapf spielt eine Cremoneser Violine des berühmten Geigenbauers Andrea Guarneri aus dem Jahre 1663.

 

Marco Sanna

geboren 1989 in Cagliari, erhält mit fünf Jahren Klavierunterricht. Ein Stipendium ermöglicht ihm ein Studienjahr bei Patrik Zygmanowski an der „Ecole Normale de Musique Alfred Cortot“ in Paris. Im Jahr 2010 beginnt er sein Studium bei Fabio Bidini an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin. An der Hochschule fr Musik und Tanz Köln schließt er 2018 sein Masterstudium ab. Im gleichen Jahr beginnt er ein Kammermusik-Masterstudium bei Jonathan Aner an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Frankfurt. Meisterkurse absolviert er bei mehreren namhaften Professoren, u.a. bei Jacques Rouvier, Aquiles Delle Vigne, Benedetto Lupo, Pinchas Zukerman, Andras Schiff. Er gewinnt mehrfach Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben. Als Solist und in Kammermusikensembles tritt er bei Festivals auf, z. B. „Rome International Piano Festival“, Podium Worpsweder Musikherbst, Beethovenfest Bonn und dem Verbier Musikfestival.