Ein höchst unterhaltsamer Nachmittag - Karin Schwippert entführt ihre Zuhörer literarisch in ferne Gefilde

(J.H.) Die Covid-19-Pandemie legt der LESE unverändert Fesseln an. Karin Schwippert, die frühere, hochbewährte LESE- „Veranstaltungsmanagerin“, hatte aber die wunderbare Idee, die LESE-Mitglieder/innen und Gäste virtuell mit Lektüre - Empfehlungen „hinaus in die Welt“ zu nehmen. Daraus entstand nun ein höchst unterhaltsamer, wenn auch vom Zoom-Rahmen auf eine Dreiviertel Stunde begrenzter Nachmittag.

 

Frau Schwippert stellte den zugeschalteten LESE-Freundinnen und - freunden - die Bildschirme bieten erfreulicherweise auch Ehepaaren mühelos Platz - neun Bücher ganz unterschiedlicher Art vor:

 

Von den Reiseepisoden Christoph Ransmayr`s über Goethes Italienische Reise, persönliche Inselführer bis hin zu Shetland Krimis und „Wunderlands“ (gewissermaßen ein Bilderbuch für große Leute).

 

Vermöge der überragenden Belesenheit und Vortragskunst von Karin Schwippert war die erhoffte Wirkung - Aufheiterung der von Corona strapazierten, genervten und zerknitterten Seelen - allgemein und greifbar. Die Zuschauer/Zuhörer hoffen auf Wiederholung und dankten der Referentin herzlich.

 


Liste der Bücher in der Reihenfolge der Vorstellung:


Christoph Ransmayr, Atlas eines ängstlichen Mannes (Fischer 2014, 4. Aufl.
2019) Reisebuch und Episodenroman, Mosaik mit Bildern von oft atemberaubenden Landschaften, vom Leben und Sterben, vom Glück und Schicksal der Menschen;


Julian Barnes, Kunst sehen (Kiepenheuer&Witsch, 2019),
original: Keeping an Eye Open (2015)-  ́Reise ́ zu verschieden Malern aus den letzten beiden Jahrhunderten und ausgewählten Werken in europäischen Museen, ein Buch voller Kunstgeschichten (weniger Kunstgeschichte im engen Sinne), über Künstler und ihren Kosmos;


Goethe Italienische Reise, Ein fotografisches Abenteuer von Helmut Schlaiß
(Manesse, 2019) Originaltext & hinreißende Fotos & kenntnisreiches, lesenswertes Nachwort (Dennis Scheck);


Elizabeth von Arnim, Verzauberter April (Erstausg. 1922/Insel TB 2007)
Leichtfüßiger, aber nicht leichtgewichtiger Roman: 4 Frauen in einem gemieteten Castello an der italienischen Riviera – ein mediterraner Frühling und viele Komplikationen. v. Arnim erzählt mit psychologischem Scharfsinn und eleganter Sprache;


Helen Wolff, Hintergrund für Liebe (Weidle Verlag, 2020, entstanden 1932/33)
Posthum veröffentlichter Roman der gr. deutsch-stämmigen Verlegerin, auch sie erzählt leichtfüßig und nicht leichtgewichtig von einer jungen Frau und einem Ausflug an die Cote d ́Azur – erst zu zweit, dann allein ...;


Bitte nicht am  ́unglücklichen ́ Titel stören, ein tolles Buch!


Div. AutorInnen (u.a. Mirko Bonne ́, Katharina Hagena, F.J. Raddatz uvm.)
Reihe:  ́Meine Insel ́ (MARE Verlag)
Keine Reiseführer, sondern sehr persönliche  ́Liebeserklärungen, schön ausgestattet und bebildert;


Gavin Francis, Inseln – Kartierung einer Sehnsucht (Dumont, 2021),
original: Island Dreams, Mapping an Obsession (2020)
Gedankliches Insel-hopping, jedes Kapitel eine Mischung aus atmosphärischen Naturbeschreibungen, wunderbaren Abbildungen (Karten), literarischen Zitaten, Psychologischem und Philosophischem.


Ann Cleeves, Die Shetland Krimis (8 Bände),


Bd. 1 Die Nacht der Raben (rororo, 2007, 5.Aufl. 2016),
original: Raven Black (2006)
Inspektor Perez und sein Team ermitteln hoch im Norden, Spannungsaufbau durch gut geschilderte Polizeiarbeit und überzeugende Charaktere, viel Lokalkolorit gekonnt eingebaut;


Laura Miller (Hrsg.), Wonderlands – Fantastische Welten vom Gilgamesh-Epos
bis zu Murakamis 1Q84 (wbg Theiss, 2020)
Weit gefächerter  ́erzählender Atlas ́ erfundener Welten (vgl. Untertitel), liebevoll bebildert, großartige Anregung zu erneuter oder neuer Lektüre.
Weitere Empfehlungen aus unserem Gespräch:


H.J. Ortheil, Der vom Löwen träumte (btb, 2020)
Hemingway in Venedig


ders., Rom – eine Ekstase (Insel Tb, 6.Aufl. 2011)

 

Alastair Bonnett, Die seltsamsten Orte der Welt (C.H. Beck, 2015)

 

„Spätestens seit Google Earth ist die Welt bis in den letzten Winkel erforscht und vermessen. Es gibt keine unbekannten Orte mehr, keine unberührten Eilande, nichts mehr zu entdecken – oder etwa doch?


Alastair Bonnett stellt in diesem Buch faszinierende und außergewöhnliche Orte vor, die unsere Vorstellungen von der Welt gehörig durcheinanderbringen ... Lehrreich, aber nicht belehrend führt Bonnett durch geographische Kuriositäten und zeigt, dass auch für den heutigen Menschen das Entdecken nie aufhört.“

 

Roger Willemsen, Die Enden der Welt (Fischer Tb, 7. Aufl. 2011)

 

„Auf fünf Erdteilen war Roger Willemsen unterwegs, um seine ganz persönlichen Enden der Welt zu finden. Manchmal waren es die großen geographischen: das Kap in Südafrika, Patagonien, der Himalaja, die Südsee, der Nordpol. Manchmal waren es aber auch ganz einzigartige, individuelle Endpunkte“