LESE trotzt Corona - Aufschlussreiche Vorstellung von Beethoven - Denkmälern in Bonn

 

LESE-Mitglied Winand Kerkhoff holte jetzt seinen wegen des Lockdowns im April abgesagten Vortrag über die Bonner Beethoven-Denkmäler nach. Mit 20 Teilnehmern war der Vortrag im Großen Saal des Hauses der ev, Kirche für die jetzige Zeit unter Corona-Einschränkungen gut besucht, zumal die Teilnehmer der Maskenpflicht zu folgen hatten. Das tat dem Interesse an dem Vortrag jedoch keinen Abbruch:

 

So folgten alle den Ausführungen Kerkhoffs, die für viele neue Entdeckungen beinhalteten, mit großer Spannung. „Beethoven bonnensis“, der “bönnsche Beethoven“, ist als Denkmal vor allem durch die 1845 im Beisein des Hauptmäzens Franz Liszt – darüber hinaus waren auch Alexander von Humboldt, König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und Königin Victoria von Großbritannien anwesend - eingeweihte Hähnel-Statue auf dem Münsterplatz präsent. Interessant, wie schon damals die öffentliche Hand bei derartigen Privatinitiativen eher bremsend als förderlich tätig war! Sehr viele weitere Skulpturen, die sich großteils an dem berühmten Stieler-Bild Beethovens orientieren, sind im Beethoven-Haus zu finden, vom Rodin-Schüler Nuam Aronson bis zum rumänischen Bildhauer Cantemir Riscutia.

 

In chronologischer Abfolge führte Winand Kerkhoff dann durch Bonn, wo es elf weitere Skulpturen gibt: In der Beethovenhalle steht seit 1959 eine von Bourdelle geschaffene Beethoven-Büste, die aus Anlass des ersten deutsch-französischen Kulturabkommens 1952 der Stadt Bonn zum Geschenk gemacht worden ist.

 

Weiter führte der Weg zur Bad Godesberger Redoute, wo der 21jährige Beethoven im Juli 1792 Haydn vorspielte. Die Bronze-Büste Franz Rotters im Park erinnert daran. Weithin bekannt ist auch das Beethoven-Denkmal Klaus Kammerichs vor der Beethoven-Halle, die „Beethon“ Büste aus dem Jahre 1986. Kammerichs Idee war, eine dreidimensionale Umsetzung von Stielers-Beethovenporträt in einer Sichtachse zur Straße zu errichten, ein beliebtes Fotomotiv bei Besuchern aus aller Welt.

 

Das Rheinhotel Dreesen kann gleich mit zwei Beethoven-Büsten aufwarten: Vor dem Haus eine Stahlblech-Schmiedearbeit des bekannten Karikaturisten Burkhard Mohr, im Inneren eine aus Ton gefertigte Büste der Keramik-Künstlerin Barbara Uhrmacher.

 

Weitere sehr interessante Denkmäler sind die Möbel-Skulptur von Yukako Ando in der Rheingasse an der Stelle des 1944 zerstörten Hauses, in dem die Familie Beethoven von 1776 bis 1785 gewohnt hat – eine anrührende Erinnerung an Beethoven, allerdings nur, wenn man den viel zu kleinen Text auf der Bodenplatte gelesen hat.

 

Kontrovers gesehen wird meist das relativ neue Beethoven-Denkmal von Markus Lüpertz im Hofgarten. Für die einen expressiv, fast brutal, für die anderen schlicht provokative Anti-Ästhetik. Auch auf die temporäre Bürgeraktion „Unser Ludwig“ von Ottmar Hörl ging Winaqnd Kerkhoff ausführlich ein. Tausende dieser lächelnden, lässig dastehenden, ein Meter hohen Figur sind inzwischen weltweit verkauft worden.

Natürlich darf auch das Beethoven-Gymnasium nicht fehlen, dessen Eingangsbereich durch eine Marmor-Büste von Kurt Zimmermann aus dem Jahre 1952 geschmückt wird.

 

Ebenfalls kontrovers gesehen wird die monumentale Granit-Statue Beethovens von Peter Christian Breuer aus dem Jahre 1938 - ganz im Stile der Zeit - die ein wenig versteckt in der Rheinaue steht und wenig bekannt ist.

 

In ihren Dankesworten an den Referenten machte die Vorsitzende des Veranstaltungsausschusses, Karin Schwippert auf die Klinger-Ausstellung in der Bundeskunsthalle aufmerksam, die demnächst von der LESE besucht werden soll. Dort wird das Original des von Max Klinger 1902 geschaffenen Beethoven-Denkmals zu besichtigen sein, dessen Modell im Gartenhäuschen des Beethoven-Hauses steht und welches schon in der großen Beethoven-Ausstellung 2020 der Bundeskunsthalle durch eine 3D-Kopie in Originalgröße präsent war.

 

(Fotos und Text: Spindler)