Pirandello beendet den Lockdown mit Reise- Impressionen von Sankt Petersburg nach Moskau

ein Bericht von Volker Busse

Endlich: Nach dreimonatiger Corona-Pause hat sich der Pirandello-Tisch jetzt wieder getroffen – übrigens als erster Tisch der LESE - und im Haus am Rhein getagt. Dem war eine sorgfältige rechtliche und menschliche Prüfung vorausgegangen, auch unter Berücksichtigung einer intensiven Diskussion im Ständigen Ausschuss der LESE. Die rechtliche Zulässigkeit für eine solche Veranstaltung stützt sich – bei Wahrung aller Auflagen, insbesondere zur Hygiene – auf § 13 der Coronaschutzverordnung vom 15. Juni 2020. Die Frage, ob in diesem rechtlichen Rahmen jemand teilnimmt, ist natürlich höchstpersönlich, insbesondere unter Berücksichtigung der eigenen Gesundheit und Gefahreneinschätzung zu treffen. Als Tischvorsitzender habe ich mich bei der Einladung insbesondere auch davon leiten lassen, dass die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen in Bonn mittlerweile auf etwa 3 gesunken ist. Besonders gefreut haben meine Frau und ich uns, dass sich für unser Treffen 31 Mitglieder angemeldet und auch teilgenommen haben.

Das Referat des Abends habe ich als Tischvorsitzender selbst übernommen und auf Grund unserer Kreuzfahrt vom 18. bis 28. August 2019 von St. Petersburg nach Moskau über „Russland heute – Eindrücke auf den Wasserwegen zwischen St. Petersburg und Moskau“ berichtet. Die Entfernung zwischen den beiden Städten beläuft sich auf dem Landweg auf ca. 600 km und ist innerhalb eines Tages oder einer Nacht zurückzulegen. Wir waren dagegen auf dem Wasserweg insgesamt über 1700 km unterwegs. Dabei durchquerten wir insbesondere Ladogasee und Onegasee (beide jeweils größer als der Bodensee) und waren auf Stauseen, den Flüssen Newa, Swir, Sheksna und schließlich Wolga unterwegs. Eingerahmt wurde die Reise durch jeweils 2 Tage St. Petersburg und 2 Tage Moskau. Die Fahrt bot nicht nur Gelegenheit, die beiden großen Städte und manche Kirchen kennenzulernen, sondern vermittelte auch Eindrücke vom Leben in der Provinz. Städte wie Jaroslawl und Uglitsch waren Höhepunkte.

Über die touristischen Eindrücke hinaus habe ich meine Beobachtungen und Gedanken - unter Berücksichtigung dessen, was man aus Gesprächen und Medien erfährt - zu einigen diskussionswürdigen Themen vortragen:

- Selbstverständnis und Selbstbewusstsein in Russland im Blick auf seine Geschichte und vor allem im Blick auf die Zeiten vor Putin und seit Putin, dies auch unter Berücksichtigung seiner Verfassungsreform, zu der gegenwärtig eine Volksabstimmung stattfindet.

- Bedeutung Russlands für das Weltklima. In Russland, dessen Waldfläche größer ist als die der Urwälder in Südamerika, flackerten in der Zeit, als wir dort waren, Waldbrände von der Größenordnung von deutschen Bundesländern auf. Solche Waldbrände und die sonstige Klimaerwärmung in Sibirien haben nicht nur hinsichtlich des CO2-Ausstoßes, sondern auch wegen des Schmelzens von Böden mit Permafrost und der damit verbundenen Freisetzung von Methan-Gas erhebliche Umweltauswirkungen.