Auf bekannten und weniger bekannten Pfaden rund um Oberkassel - die Dezemberwanderung

Einerseits kannte zumindest die Mehrheit der 31(!) Teilnehmer der Dezember-LESE-Wanderung - teilweise auch eher vom Hörensagen - die einzelnen „Besichtigungspunkte“, andererseits war doch auch für sie einiges Neues zu sehen.

 

So hatte man die Entwicklung des neuen Beueler „Stadtteils“ Bonner Bogen natürlich verfolgt. Gleichwohl waren viele erstaunt über die heute umfassende Gestaltung sowie über das Wachsen des ergänzenden „Rhein-Palais“ - ein Wachstum, das allerdings zur Zeit etwas beeinträchtigt ist durch den Millionenstreit des Kölner Investors mit der Stadt Bonn um Altlastenkosten. ( Der Prozess vor dem Bonner Landgericht hat im November begonnen.)

 

Die „Ramersdorfer Kommende“, seit 1230 Sitz des Deutschordens und nach wechselvoller Geschichte heute Sitz eines italienischen Restaurants, war allen Mitwanderern bekannt, war es doch für einige Zeit „Ausweichquartier“ für das verlorene LESE-Restaurant. Die Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Torbogenanlage mit Pförtnerhaus an der alten Auffahrt kannte dagegen keiner.

In den 70er Jahren wäre die Kommende beinahe verschwunden, denn das Gebäude stand dem Bau des Autobahnkreuzes Bonn-Ost im Weg. Bürgerengagement rettete es vor dem Abriss. Das Autobahnkreuz wurde zwar trotzdem gebaut, aber um die Kommende herum, sodass sie heute mitten zwischen den Zubringern steht. In diesem Rahmen wurde auch eine neue Zufahrt gebaut.

 

Neu für die Wanderer war auch der Standort des „Hubertushauses“ am Ennert. Das Haus, erbaut 1924, war seinerzeit beliebter Treffpunkt für Feste und sportliche Aktivitäten, vor allem Schießsport und Handball. Es wurde 1970 abgerissen. Durch den Neubau der B42 gab es großflächige Veränderungen.

 

Anfang der 90er Jahre setzte sich der Hang in Bewegung. Heute sichern 160 Stahlanker und Bewässerungssysteme den Hang, das Grundstück wird von der biologischen Station Rhein-Sieg gepflegt.

 

Von den „Oberkasseler Steinzeitmenschen“ hatten alle Wanderer gehört, an der Fundstelle im Steinbruch am Stingenberg war aber kaum jemand gewesen.

 

Im Februar 1914 entdeckten Steinbrucharbeiter ein Grab aus der jüngeren Altsteinzeit ( ca. 12000 vor Chr. ) mit Skeletten eines über 50 Jahre alten Mannes, einer ca. 20jährigen Frau und Überreste eines Hundes.

 

Auch das Bodendenkmal „Steinerhäuschen“ war wenig bekannt. Es handelt sich um die Reste einer mittelalterlichen Burganlage aus den Anfängen des 10. Jahrhunderts. 1210 wurde die Anlage an die Zisterzienser Abtei Heisterbach übergeben und 1217 durch Blitzeinschlag zerstört.

 

Im Rahmen des Neubaus der B42 wurden 1977 bis 1980 Reste eines ca. 20 mal 11 m großen Wohnturmes entdeckt und vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege ausgegraben. Um weitere Zerstörungen der Ruine zu verhindern, hat die Stadt Bonn die freigelegten Überreste des Wohnturms 1985 bis 1986 restaurieren lassen.

 

Sehenswert waren in Oberkassel auch die älteste evangelische Kirche im Bonner Raum aus dem Jahr 1683, das Denkmal für den Oberkasseler Pastorensohn und Politiker, Wissenschaftler, Staatskritiker und Schriftsteller Gottfried Kinkel sowie das zwischen1750 und 1760 nach den Plänen von Johann Conrad Schlaun errichtete „Lippische Palais“.

 

Der Rückweg führte am Rhein entlang, und den kannte jeder. Den Abschluss dann in fröhlicher Runde bildete die Einkehr im Restaurant l´Osteria, wo die Pizzen weit über den Tellerrand ragen, aber auch Pasta und Wein zur gehobenen Stimmung beitrugen.

Text: Ewald Stöwe; Foto: Dr.Raymund Preuß