"Frei von Sorgen" - Bonns OB kann das bei der LESE mit Blick auf seine Stadt nicht ganz bstätigen

(JH) Gedanken zur „Zukunft der Bundesstadt Bonn als Kompetenzzentrum für Deutschland“ trug jetzt der Oberbürgermeister der Stadt, Ashok Sridharan auf Einladung der Lese- und Erholungs-Gesellschaft von 1787 zu Bonn im großen Saal des Hauses der Evangelischen Kirche vor. Der Einladung waren gut 120 Zuhörer gefolgt. Und so war Saal war mit sehr vielen LESE-Freunden/innen und zahlreichen Gästen nahezu voll besetzt.

 

Der neugewählte LESE-Vorsitzende Ulrich Spindler hieß den OB herzlich willkommen: Die LESE habe sich in ihrer über 230 jährigen Geschichte immer der Stadt Bonn verpflichtet gefühlt. Mit Verweis auf den Vornamen des OB erinnerte der Vorsitzende an den indischen Fürsten Ashoka, der als Zeitgenosse von Alexander dem Großen harmonische Beziehungen zu den Nachbarn gepflegt und soziale Wohlfahrt im Innern angestrebt habe. Wer einen solchen hochkarätigen Namensvetter habe, für den liege die politische Meßlatte sehr hoch. Für die LESE wünsche er dem OB bei seiner Arbeit zum Wohle Bonns viel Erfolg.

 

Oberbürgermeister Ashok Sridharan ist 1965 in Bonn geboren, mit Petra Fendel-Sridharan verheiratet, hat drei Söhne, ist Jurist und war Stadtkämmerer von Königswinter. Im Jahr 2015 wurde er im ersten Wahlgang mit knapper, aber absoluter Mehrheit zum Oberbürger-meister der Bundesstadt Bonn gewählt. Die Bonner CDU hat ihn vor kurzem als Kandidat für eine zweite Amtszeit bei der Kommunalwahl 2020 nominiert.

 

Der OB knüpfte in seinem knapp 25minütigen, konzentrierten Referat zunächst an die Begrüßung und Geschichte der LESE an: Sein Nachname, Sridharan, habe in der indischen Sprache die Bedeutung „frei von Sorgen“, was er von seinem Aufgabenbereich begreiflicherweise nicht sagen könne. Auch wenn sein Vater erst in den 50er Jahren nach Deutschland gekommen sei, könne die Familie seiner Frau die Historie der LESE toppen, sei sie doch in Bonn schon im 16. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Gleichwohl sei er sich der Bedeutung der LESE und namhafter LESE-Mitglieder für das Bonner Geistesleben und etwa dafür, dass Bonn 1949 zur Bundeshauptstadt geworden sei, sehr bewusst.

 

Der OB spannte in seinem Vortrag dann einen großen Bogen

 - von dem mit knapper Mehrheit gefaßten Beschluss des Deutschen Bundestages vom 20. Juni 1991, dass Parlament und Regierung wieder ihren Sitz in der deutschen Hauptstadt Berlin nehmen,

- über das Berlin/Bonn-Gesetz vom 26. April 1994 zur Sicherung einer dauerhaften und fairen Arbeitsteilung zwischen der Bundeshauptstadt Berlin und der Bundesstadt Bonn (einem Begriff, der wohl der schweizerischen Bezeichnung für die dortige Hauptstadt Bern nachgebildet sei),

- zum tatsächlichen Umzug von Regierung und Deutschem Bundestag nach Berlin im Sommer 1999 (mit dem Verlust von ca. 12000 Arbeitsplätzen in Bonn), den zahlreichen insbesondere aus Berlin und dem Frankfurter Raum nach Bonn zum Ausgleich mit ca. 8000 Arbeitsplätzen verlagerten Bundesbehörden,

- zu der Kulturförderung des Bundes für die Bundesstadt Bonn sowie

- zu dem für Bonn und die Region überlebenswichtigen, von den Landräten Franz Möller (Rhein-Sieg) und Joachim Weiler (Ahr) und dem damaligen Bonner OB Hans Daniels mit dem Bund ausgehandelten Ausgleichsvertrag von 1994, der u.a. das Forschungszentrum CAESAR sowie die Hochschule Rhein-Sieg ermöglicht habe.

 

Ergänzend sei es gelungen, den Sitz zahlreicher Einrichtungen der Vereinten Nationen nach Bonn zu holen, was Bonn auch zum Austragungsort großer internationaler Konferenzen mache, wie z.B. vor zwei Jahren mit der Weltklima-Konferenz.

Im Laufe der 25 Jahre seit Inkrafttreten des Berlin/Bonn-Gesetzes seien allerdings immer mehr Arbeitsplätze auch aus den Bundesministerien, die ihren Sitz in Bonn behalten haben, nach Berlin verlagert worden. Die Bundesstadt Bonn sei deshalb – mit Unterstützung der Länder NRW und Rheinland-Pfalz – dabei, einen neuen Ausgleichsvertrag mit dem Bund zu verhandeln. Er als OB hoffe auf einen Abschluss bis zum Sommer des nächsten Jahres und sehe deshalb die Zukunft der Bundesstadt Bonn optimistisch.

 

Der OB stellte sich im Anschluss an seine Ausführungen den zahlreichen Fragen aus dem Auditorium. Unter der Diskussionsleitung von LESE-Freundin Schwippert, der Leiterin des Veranstaltungsausschusses der LESE, berichtete der OB über seine Gespräche mit den Personalräten der Bonner Ministerien und deren Minister/innen, über die Zusammenarbeit mit dem Rhein-Sieg-Kreis und den angrenzenden Gemeinden (etwa beim Ausweis von Gewerbeflächen), über die Anstrengungen zur Verbesserung des ÖPNV (in Sonderheit bei der Linie 66), vor allem der Beseitigung von Personalengpässen bei Bus und Bahnen, über die vor seiner Amtszeit getroffenen Entscheidungen gegen ein Konzerthaus und zur Sanierung der Beethovenhalle (und deren voraussichtliche Kosten), über das sichtbare Herausstellen Beethovens für Bonn (etwa durch Schilder am Hauptbahnhof), über die Gründe für die bevorstehende Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Km/h in der Reuterstraße und zahlreiche weitere kommunale Probleme.

 

Auf die zahlreichen Fragen aus dem Publikum antwortete antwortete Sridharan anschließend sachorientiert, fachlich-beschlagen und ohne auszuweichen.Karin Schwippert dankte schließlich OB Sridharan unter dem lang anhaltenden Beifall der Zuhörer mit einem Weingeschenk.

 

Danach nutzten viele LESE-Freunde/innen noch die Gelegenheit, bei einem Glas Wein oder auch Wasser weitere Fragen im persönlichen Gespräch mit dem OB zu vertiefen. Gegen 21 Uhr scließlich lösten sich die angeregten Gesprächskreise auf.

Foto: Spindler