Erinnerungen an die Castra Bonnensia - Ein Spaziergang durch Bonns altes Römerlager

 Zu einem Stadtspaziergang unter der Führung von unserem Mitglied Winand Kerkhoff durch den römischen Teil der Stadt Bonn trafen sich kürzlich zwölf Mitglieder der LESE in Bonn-Castell. Versehen mit einer Vielzahl von Details, die im folgenden gar nicht alle benannt werden können, wurden wir herangeführt an die Zusammenhänge der historischen Entwicklung dieses engen Bonner Stadtgebiets.

Schon vor der Zeit der Römer gab es im heutigen Beueler Raum ein kleines, keltisch-ubierisches Dorf, dessen Bewohner von Fischerei und Handel lebten und das sich von dort auch auf die linke Rheinseite ausdehnte. Als die Römer 11 v. Chr. auftauchten, wurde die inzwischen auf der westlichen Rheinseite entstandene Siedlung nach dem wahrscheinlich ubierischen Namen "Bonna" benannt. Die Römer bauten wohl auch eine sogenannte "schwimmende" Brücke über den Rhein.

Nero Claudius Drusus selbst, ein römischer Feldherr, legte Kastelle als Operationsbasen für die Eroberung von Germanien an. Zum Schutz der Provinz verteilte er dazu Befestigungen und Wachtposten bis hin zur Maas, zur Elbe und zur Weser. Am Rheinufer errichtete er mehr als 50 Kastelle. Selbstverständlich hat diese Epoche mancherlei ethnische und soziale Veränderungen bewirkt. Das Römerkastell in Bonn gehörte jedenfalls zu dem von Drusus angelegten System von befestigten Plätzen, von denen aus das Umland erkundet und das Rheinufer vor Germanen geschützt werden sollte.

Die „Castra Bonnensia“ wurde als Legionsfestung 40 n .Chr. errichtet. Sie lag nördlich von der heutigen Innenstadt an einem alten Übergang über den Rhein, zumindest bei Niedrigwasser. Ihr fast quadratischer Grundriß war 528 m breit und 524m lang. Sie ist im heutigen Straßenbild zwischen den Straßen „Rosental, Augustusring, Rheindorfer Straße und Rheinpromenade sowie mit ihrer zentralen Römerstraße immer noch gut zu erkennen. Kenntnisse dazu bieten vor allem die Grab- und Weihesteine. So kennen wir gut 200 Soldaten der Bonner Legion Flavia Minervia mit Namen. Ein informativ gestaltetes Modell der Castra Bonnensia befindet sich im Innenhof der Wohnanlage zwischen Graurheindorferstraße und Drususstraße.

Am Rande des ständig wachsenden Militärlagers entstand auch eine Handwerkersiedlung, die sich vor allem entlang der heutigen Adenauerallee bis zur Gronau (Nordende des Rheinauenparks) ausdehnte. Die keltisch-ubiersche Siedlung und das nördlich davon liegende Drususkastell waren somit die Keimzellen, aus denen sich später die Stadt Bonn entwickelte.

Ein Anlass unseres Spaziergangs war die Aufnahme des Limes und - als ein Teil davon - die Castra Bonnensia im Juli 2021 in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes. Wir als Gruppe wurden selbst auch Zeuge davon, dass Reste der Anlage immer wieder im Bonner Norden im Zuge einer Bebauung gefunden und dann fortlaufend kartiert werden.

Zum Schluss führte uns der Weg am Römerkran vorbei und über den Leinpfad entlang des Rheins zum Biergarten „Im Schänzchen“. Insgesamt haben wir wieder ein gelungenes Zusammensein erlebt.

Text: Ferdinand Schäfer Fotos: Raymund Preuss