Der Lese - Geschichte auf der Spur - Die Oktoberwanderung

 Die Grundidee für diese Tour stammt von Ruth Rehm, der Frau des früheren
LESE-Vorsitzenden Dr. Georg Rehm. So gab es einige Anknüpfungspunkte zur Geschichte der LESE. Gewandert wurde unter anderem auf Wegen des „Grünen C“. Es gab Begegnungen mit August Macke, Hans Thuar und Konrad Adenauer, und auch vom Hochwasser war die Rede.


Zunächst starteten
kürzlich 20 Teilnehmer bei trockenem Wetter in Alfter, wanderten am Mirbach entlang nach Gielsdorf und weiter über Oedekoven nach Lessenich, zum Teil auf Wegen des „Grünen C“. Dieses Projekt ist im Rahmen der Regionale 2010 entstanden und hat zum Ziel, Naturräume langfristig zu sichern und zu verbinden, von der Ville bis zum Siebengebirge. Gekennzeichnet sind die Wege durch im Boden eingelassene Kilometerangaben und Hinweise auf die nächsten Ortschaften, durch Informationstafeln und spezielle Bänke.


In Lessenich wurde die St. Laurentiuskirche besucht, deren erste Erwähnung in einer Urkunde vom 31.3.1131 erfolgte, wonach Papst Inno
zenz II dem Cassiusstift in Bonn den Besitz einer Kirche in Lessenich nebst Kapellen bestätigte. Wichtig für die Gruppe war aber der Bezug zur LESE: Zu den sieben Gründungsmitgliedern der LESE im Jahre 1787 gehörte der Lessenicher Kanonikus Dreesen, seinerzeit Oberpfarrer der Laurentiuskirche. Weiter ging es am friedlich dahin plätschernden Hardtbach, der sich vor sechs Wochen in einen zerstörenden Strom verwandelt hatte – ein Wandermitglied berichtete von eigenen leidvollen Erfahrungen.

 

Nächster Besichtigungspunkt : Haus Gielsdorferstraße/Ecke Meßdorferstraße mit Herz- Jesu Kapelle. Hier betrieb der Großvater von Konrad Adenauer – Franz – eine Bäckerei. Konrad verbrachte als Kind dort häufig seine Ferien und durfte, wie es heißt, ab und zu auch die Glocken von St Laurentius läuten. Zuletzt kam Adenauer 1965 zu einer Wahlkampfveranstaltung nach Meßdorf – zwei Jahre vor seinem Tode.


Beim Rückweg nach Alfter wurde am Rande des Meßdorfer Feldes noch die Stelle berührt, wo August Macke das Bild „Gemüsefelder in Messdorf“ mit den Kornstiegen und dem Vorgebirge im Hintergrund - und sein Freund Hans Thuar das Bild der Gemüsefelder mit Gut Ostler im Hintergrund gemalt hatte.

 

Nächster Zielpunkt: Gut Ostler, auch unter dem Namen Burghof bekannt. Bezug zur LESE: Sechs Jahre nach Gründung der LESE, also im Jahre 1793, wird unter den Mitgliedern der Forstmeister Ostler I genannt; sein Bild hing in den alten LESE-Räumen. Die Familie kam mit den Wittelsbachern aus Bayern. In mehreren Generationen waren die Ostlers LESE-Mitglieder, Ostler II z. B. 1826. Und nach einer Chronik von Lessenich kaufte 1827 Peter Josef Ostler aus Kirchenbesitz den Burghof, später Gut Ostler. Das Gut wurde Treffpunkt liberaler Kräfte wie Gottfried Kinkel und Carl Schurz.

 

Beim aktuellen Besuch der Wandergruppe berichtete der gegenwärtige Pächter des Gutes Ostler, ein promovierter Agrarwissenschaftler, der das Gut seit 1995 unter ökologisch-dynamischen Aspekten führte, aber jetzt seine Tätigkeit beendet, hochinteressant und spannend über seine Freuden, aber auch Leiden in dieser Zeit.

Beim harmonischen Ausklang im Restaurant „Spargel Weber“ stellten die Wanderer fest, dass auch jenseits der weißen Stangen viel Wohlschmeckendes serviert wird.

Text: Ewald Stöwe; Fotos: Raymund Preuß