Im Spannungsfeld von Industrie- und Museumskultur in Duisburg - Tagesausflug des Juniorentisches

Die Stadt Duisburg und ihr Hafen im Zusammenfluss von Rhein und Ruhr war kürzlich Ziel eines Tagesausflugs unseres Juniorentisches. Rund 25 Tischmitglieder und Freunde waren der Einladung unseres Tischvorsitzenden Walter Mackholt gefolgt und machten sich erwartungsvoll in Bonn auf den Weg.Stadt und Hafen haben in der Vergangenheit verschiedene Strukturwandlungen erfahren. So existierte bis Ende 1900 eine große Mühlenindustrie mit Getreidelieferungen aus Russland, den Donauländern und auch aus Nordamerika und Indien. Die Küppersmühle selbst wurde erst 1972 stillgelegt. Ebenfalls von großer Bedeutung war auch in dieser Zeit der Abtransport von märkischer Kohle aus dem Hafen, wobei nach dem Zweiten Weltkrieg die Bedeutung der inländischen Kohle zusehends verloren gegangen ist. Heute ist der Duisburger Hafen der weltweit größte Binnenhafen mit einem jährlichen Güterumschlag von 110,4 Millionen Tonnen (Stand 2020).

Im Hafengebiet sind in den letzten Jahren infolge der günstigen Verkehrsanbindungen umfangreiche Industrieansiedlungen vorgenommen worden, und zugleich wurde der Dienstleistungssektor deutlich ausgeweitet. Die im 20. Jahrhundert gegründete Hafengesellschaft von Stadt und Land NRW (Duisburger Hafen AG) sieht den Hafen deshalb nicht nur als wichtigste Handels- und Verkehrsdrehscheibe, sondern auch als Jobmotor der Rhein-Ruhr-Region. Im Rahmen der internationalen Bauausstellung Emscher Park (1989–1999) wurde die Umgestaltung der einstigen Industriebrache des Hafens verstärkt zu einem multifunktionalen Dienstleistungsareal – mit Büro- und Wohnflächen, Gastronomie-, Kultur- und Freizeitangeboten - eingeleitet. Dabei entstand aus der „alten Küppersmühle“ auch das „MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst“.

Wegen der Bedeutung des Hafens bestand unsere Tagesfahrt aus dem Dreiklang Binnenschifffahrtsmuseum, Hafenrundfahrt und Museum Küppersmühle.Das „Museum der Deutschen Binnenschifffahrt“ führte uns als erste Station unserer Tagesreise in die Welt der Schifffahrt auf Fluss und Kanal von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Das Museum selbst befindet sich in den ehemaligen „Ruhrorter Badeanstalten“. Die Themen einzelner Stationen reichen von Matrose ein harter Job“, und „Das Schiff - Spielplatz und Frachtraum“ oder Das Schiff - Hausfrau, Mutter, Schiffsführerin“ bis hin zu einer nachgestellten Kneipe als Ort für „Geschäfte, Bier und Neuigkeiten“. Von den Exponaten beeindruckte insbesondere ein riesiger Lastensegler, der mitten in der ehemaligen Herrenschwimmhalle aufgestellt worden ist.

An den Museumsbesuch schloss sich eine Hafenrundfahrt über den öffentlich zugänglichen Teil des Hafens an. Mit launigen aber auch mit präzisen Informationen des Kapitäns des Schiffes „MS Rheinfels“ gewannen wir eine Vorstellung von der Bedeutung dieses großen Binnenhafens. Verantwortlich für den Betrieb und die Logistik im städtischen Hafen ist die Duisburger Hafen AG mit ihren Tochtergesellschaften. Die rechtlich selbständigen Gesellschaften tragen alle das Wort „duisport“ als Bestandteil in ihrem Namen. Rechts und links der Wasserfläche erheben sich Logistikhallen, Containerterminals und Bürogebäude (etc.). Wir erfuhren auch, dass für Serviceleistungen im Bereich von Verpackungen für Dokumentenmanagement und Lagerung neben dem Duisburger Hafen auch Niederlassungen in Chemnitz, Antwerpen und Shanghai unterhalten werden. Derzeit besteht auch ein Vertrag mit Chinas Logistikentwickler „China Merchants Holding“ , mit dem entlang der „Neuen Seidenstraße“ – so im westchinesichen Ürümgi, in Istanbul und in Minsk mit Unterstützung einer „duisport“- Gesellschaft Logistikzentren errichtet werden.

Unser anschließender Besuch im „Museum Küppersmühle für moderne Kunst“ beeindruckte hinsichtlich Architektur und Kunst, die uns bei einer spannenden und sehr kompetenten Führung näher erläutert wurden. Das Museum macht den Strukturwandel der Stadt besonders deutlich und steht für „Industriekultur und White Cube“, denn das Museum ist in einem ehemaligen Getreidespeicher untergebracht. Das Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron verwandelte von 1997–1999 das alte Speichergebäude mit seiner historischen Backsteinfassade in ein Zentrum für Kunst, mit einer Ausstellungsfläche von zunächst rund 3.600 m² auf drei Etagen, deren Architektur durch Klarheit und Reduktion auf das Wesentliche besticht. Charakteristisch sind die durch-gängig bis zu 6 m hohen weißen Wände, an denen die überwiegend riesengroßen Bilder genügend Platz finden.

Weitere Charakteristika sind die Fußböden aus grauem türkischem Basalt und die Abfolge großzügiger Raumflächen. Die einzige Verbindung zur Außenwelt sind raumhohe Fensterschlitze, die in die denkmalgeschützte Fassade eingelassen wurden.Im Kontrast zu den weißen Räumen stehen die zwei erdfarbenen Treppenhäuser mit ihren sichtbaren Spuren der Schalungsarbeiten; sie laden zu gemächlichen Auf- und Abstiegen ein. Die Windungen des Treppenturms innen – ganz aus durchgefärbtem terracottafarbenem Beton gestaltet – ziehen den Blick wie im Sog nach oben. Der Besucher fühlt sich dadurch wie im Inneren einer gigantischen Skulptur. Beide Treppen vollziehen je Ausstellungsetage zwei Umdrehungen entsprechend den früheren Geschossebenen der Küppersmühle, denn dank der Tragkonstruktion aus Beton von 1908 konnte für die erforderlichen neuen Geschosshöhen jede zweite Zwischendecke entfernt werden.

Das Museum hat im September 2021 seinen Erweiterungsbau eröffnet: Die Ausstellungsfläche wurde mit zusätzlichen 2.500 Quadratmetern etwa verdoppelt. Im Zuge des Erweiterungsbaus wurden auch die historischen Silos erschlossen und in den Bau integriert. Hier schaffen Brücken im 1. und 2. OG die Verbindung zwischen den neuen und den bereits existierenden Räumen. Die Silos selbst blieben in der äußeren Optik wie auch ihrer weitestgehend ursprünglichen Materialität als Industriedenkmal erhalten.

Das Museum verfügt über eine der umfangreichsten Sammlungen deutscher Nachkriegskunst. Ausgestellt wird hier die bedeutende Sammlung des Ehepaars Sylvia und Ulrich Ströher. Von „Informel“ über „Konkrete Kunst“, „Minimal Art“ und „ Fluxus“ bis zur „Konzeptkunst“ lässt sich die Entwicklung der deutschen Avantgarden der Nachkriegszeit beispielhaft nachvollziehen. Umfassend vertreten ist Malerei in ganzen Werkgruppen von Künstlern wie Georg Baselitz, Jörg Immendorff, Anselm Kiefer, Markus Lüpertz, A. R. Penck, Sigmar Polke, Imi Knoebel und Gerhard Richter. Aber auch Fotografie (u. a. Bernd und Hilla Becher, Candida Höfer, Hans-Christian Schink) und Bildhauerei sind zu sehen – allen voran Skulpturen von Norbert Kricke und Hans Uhlmann.

Zum Abschluss kehrten wir zusammen mit unserem Initiator der Reise, Walter Mackholt, im „König-Pilsener-Wirtshaus“ ein. Ein Dank gilt Herrn Mackholt nicht nur für seine Initiative für die schöne Reise an sich, sondern auch dafür, dass wir alle das Gefühl vermittelt bekamen, Teil eines offenen Freundeskreises gewesen zu sein, der - mit vielen Informationen und Eindrücken bereichert - diese Tagesreise erlebt hat.

Text: Karin und Ferdinand Schäfer; Fotos: Peter Sauer/Schäfer