Ein aufrechter Demokrat und deutscher Patriot - Herbert Priew zum 90.Geburtsta

(de) Der langjährige Tischvorsitzende des Juniorentisches, Herbert Priew, konnte Anfang Juni seinen 90. Geburtstag feiern. Eine offizielle Feier in großem Kreis durfte aber aus bekannten Gründenleider  nicht stattfinden.Wir veröffentlichen stattdessen eine Laudatio, die der jetzige Vorsitzende des Tisches, Walter Mackholt, verfasst hat.

 

Am 10. Juni vollendet der in Dessau am 10. Juni 1930 geborene Herbert Priew sein 90stes Lebensjahr. Grund genug nicht nur für beste Glückwünsche, sondern auch Anlass, auf einen entscheidenden Abschnitt im Leben des jungen Studenten an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hinzuweisen.

 

Es ist der 17. Juni 1953. Vier Studenten der landwirtschaftlichen Fakultät, unter ihnen Herbert Priew, ergreifen die Gelegenheit, einen Lautsprecherwagen der Volkspolizei dazu nutzten, um für eine Kundgebung aufzurufen. Völlig unvorbereitet sprach Herbert Priew:

 

Originalzitat:

Deutsche Männer, Deutsche Frauen, wir demonstrieren heute Abend um 18 Uhr auf dem Hallmarkt für Frieden, Einheit und Freiheit. Erscheint in Massen, verhaltet Euch diszipliniert, denn nur so können wir etwas erreichen. Einheit macht stark.“

 

Am Abend versammelten sich auf dem Hallmarkt rund 60.000 Menschen. Es war die zahlenmäßig größte und eindruckvollste Demonstration des Volkes in der DDR gegen die politische Willkür und für Freiheit und Einheit.

 

Während zum Ende der Versammlung das Deutschlandlied gesungen wurde, rollten gleichzeitig sowjetische Panzer auf, um die Staatsmacht der DDR zu retten.

 

Ein Konsemester hatte die vier Agrarstudenten bei der Stasi denunziert. Am 18. Juni 1953 wurde Herbert Priew verhaftet. Die Staatssicherheit klagte ihn an, die Bevölkerung aufgewiegelt und aufgeputscht zu haben.

 

Die menschenunwürdige und menschenverachtende Behandlung in den Gefängnissen in Halle/Saale (Roter Ochse) und Waldheim/Sachsen und der „Schauprozess“ vor dem 1. Strafsenat des Bezirksgerichts Halle/Saale haben tiefe Spuren und Narben und seelische Verwundungen auf Dauer hinterlassen. Das Urteil vom 31.08.1953: Zwei Jahre Gefängnis und anschließend fünf Jahre Sühnemaßnahmen (Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, Internierung, Zwangsarbeit….)

 

Nach der Haftentlassung am 16. Juni 1955 gelang die Flucht nach Berlin-West. Herbert Priew konnte an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Stuttgart-Hohenheim sein Studium wieder aufnehmen und mit Diplom abschließen. 1959 erfolgte die Promotion zum Dr.agr.

 

Nach verschiedenen Stationen in der Agrarverwaltung und -Ausbildung des Landes Baden-Württemberg erfolgte 1968 der Wechsel in das damalige Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, dem er bis zur seiner Pensionierung als Ministerialdirigent im August 1993 angehörte.

 

Die friedliche Revolution und Wende in der DDR 1989/1990 überdecken die Ereignisse des 17. Juni 1953. Umso wichtiger ist es, dieses Datum und die Geschehnisse in Erinnerung zu rufen. Sie zeugen am Beispiel des Agrarstudenten Herbert Priew davon, dass unter Hintanstellung der persönlichen Befindlichkeit (es gab Warnhinweise und dringende Empfehlungen sich abzusetzen) auch 1953 zur friedlichen Demonstration für Frieden und Freiheit, für Gerechtigkeit und Einheit aufgerufen wurde. Nur die Macht der damaligen sowjetischen Besatzungstruppen walzte mit Panzern jegliche Demokratisierung förmlich nieder.

 

Unser LESEfreund Dr. Herbert Priew und ehemaliger Vorsitzender des Juniorentisches (2000 bis 2006 in Nachfolge von Dr. Karl-Heinz Grieben) hat im Juli 2009 in einem eindrucksvollen Vortrag vor Studenten und vielen LESEmitgliedern unter dem Titel „Der 17. Juni 1953 in Halle an der Saale – beteiligt – verhaftet – verurteilt - ein Studentenschicksal“ über sein (politisches) Leben in zwei Diktaturen ab seiner Geburt 1930 in Dessau berichtet. Versöhnlich klingt gegen Ende des Vortrags seine Feststellung: “Nach diesen bewegten Jugendjahren empfinde ich es heute als ein sehr großes Lebensglück, dass ich in der Bundesrepublik Deutschland meine Lebensgestaltung mit Erfolg in die eigenen Hände nehmen konnte.“

 

Der 90ste Geburtstag ist Anlass genug nicht nur Glückwünsche für das persönliche Wohlergehen auszusprechen, sondern auch Dank zu sagen für das beispielhafte Eintreten für Volk und Vaterland, für Freiheit und Gerechtigkeit und für Menschenwürde.

 

Der 17. Juni 1953 ist ein großer symbolischer Tag in der deutschen Geschichte.

Kalendervorschau Juli 2020

Juli 2020

1

Mi

 

2

Do

 

3

Fr

 

4

Sa

Wandern                    -  fällt aus  -

5

So

 

6

Mo

 

28

7

Di

Juniorentisch 19:00 Uhr im Restaurant-Café „Haus am Rhein“, Elsa-Brandström-Str. 74, 53227 Bonn

8

Mi

 

9

Do

Neuer Tisch 18:30 Uhr

10

Fr

Damentisch 15:30 Uhr   - fällt aus -

11

Sa

Besuch der Ausstellung „Grafikwerkschau der DruckARTisten“ im Kulturforum Hardtberg, Rochusstr. 276, 53123 Bonn um 11:00 Uhr

12

So

 

13

Mo

Singekreis 18:00 Uhr

29

14

Di

Tisch 99 18:00 Uhr

15

Mi

 

16

Do

 

17

Fr

Bridge 14:45 Uhr

18

Sa

Besuch der Ausstellung „Grafikschau der DruckARTisten“ im Kulturforum Hardtberg, Rochusstr. 276, 53123 Bonn um 15:00 Uhr

19

So

 

20

Mo

Literaturkreis 18:00 Uhr    - fällt aus -

30

21

Di

Lese im Gespräch 18:00 Uhr

22

Mi

Mittwochstisch 18:00 Uhr

23

Do

Pirandello Tisch 19:00 Uhr

24

Fr

 

25

Sa

 

26

So

 

27

Mo

 

31

28

Di

 

29

Mi

 

30

Do

 

31

Fr

Schach 16:00 Uhr

© Kalenderpedia®   www.kalenderpedia.de

Monatsvorschau Juni 2020

Juni 2020

1

Mo

Pfingstmontag

                                                            23

2

Di

Juniorentisch 19:00 Uhr                                       - fällt leider aus -

3

Mi

 

4

Do

 

5

Fr

 

6

Sa

Wandern                                                                 - fällt leider aus - 

7

So

 

8

Mo

Singekreis 18: 00 Uhr                                                

          - fällt leider aus -                                                                              

9

Di

Tisch 99 18:00 Uhr                                              - fällt leider aus -

10

Mi

LESEdialog d. Generationen 18:00 Uhr          - fällt leider aus -

11

Do

Neuer Tisch 18:30 Uhr / Fronleichnam           - fällt leider aus -

12

Fr

Damentisch 15:30 Uhr                                         - fällt leider aus -

13

Sa

 

14

So

 

15

Mo

Literaturkreis 18:00 Uhr                                    

          - fällt leider aus -                        25

16

Di

Lese im Gespräch 18:00 Uhr                              - fällt leider aus -

17

Mi

 

18

Do

 

19

Fr

Bridge 14:45 Uhr

20

Sa

 

21

So

 

22

Mo

 

                                                                  26

23

Di

 

24

Mi

Mittwochstisch 18:00 Uhr

25

Do

Pirandello Tisch 19:00 Uhr - im Haus am Rhein, Elsa-Brändström-Str. 74

26

Fr

Schach 16:00 Uhr

27

Sa

 

28

So

 

29

Mo

 

                                                             27

30

Di

 

 

 

 

 

Pirandello beendet den Lockdown mit Reise- Impressionen von Sankt Petersburg nach Moskau

ein Bericht von Volker Busse

Endlich: Nach dreimonatiger Corona-Pause hat sich der Pirandello-Tisch jetzt wieder getroffen – übrigens als erster Tisch der LESE - und im Haus am Rhein getagt. Dem war eine sorgfältige rechtliche und menschliche Prüfung vorausgegangen, auch unter Berücksichtigung einer intensiven Diskussion im Ständigen Ausschuss der LESE. Die rechtliche Zulässigkeit für eine solche Veranstaltung stützt sich – bei Wahrung aller Auflagen, insbesondere zur Hygiene – auf § 13 der Coronaschutzverordnung vom 15. Juni 2020. Die Frage, ob in diesem rechtlichen Rahmen jemand teilnimmt, ist natürlich höchstpersönlich, insbesondere unter Berücksichtigung der eigenen Gesundheit und Gefahreneinschätzung zu treffen. Als Tischvorsitzender habe ich mich bei der Einladung insbesondere auch davon leiten lassen, dass die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen in Bonn mittlerweile auf etwa 3 gesunken ist. Besonders gefreut haben meine Frau und ich uns, dass sich für unser Treffen 31 Mitglieder angemeldet und auch teilgenommen haben.

Das Referat des Abends habe ich als Tischvorsitzender selbst übernommen und auf Grund unserer Kreuzfahrt vom 18. bis 28. August 2019 von St. Petersburg nach Moskau über „Russland heute – Eindrücke auf den Wasserwegen zwischen St. Petersburg und Moskau“ berichtet. Die Entfernung zwischen den beiden Städten beläuft sich auf dem Landweg auf ca. 600 km und ist innerhalb eines Tages oder einer Nacht zurückzulegen. Wir waren dagegen auf dem Wasserweg insgesamt über 1700 km unterwegs. Dabei durchquerten wir insbesondere Ladogasee und Onegasee (beide jeweils größer als der Bodensee) und waren auf Stauseen, den Flüssen Newa, Swir, Sheksna und schließlich Wolga unterwegs. Eingerahmt wurde die Reise durch jeweils 2 Tage St. Petersburg und 2 Tage Moskau. Die Fahrt bot nicht nur Gelegenheit, die beiden großen Städte und manche Kirchen kennenzulernen, sondern vermittelte auch Eindrücke vom Leben in der Provinz. Städte wie Jaroslawl und Uglitsch waren Höhepunkte.

Über die touristischen Eindrücke hinaus habe ich meine Beobachtungen und Gedanken - unter Berücksichtigung dessen, was man aus Gesprächen und Medien erfährt - zu einigen diskussionswürdigen Themen vortragen:

- Selbstverständnis und Selbstbewusstsein in Russland im Blick auf seine Geschichte und vor allem im Blick auf die Zeiten vor Putin und seit Putin, dies auch unter Berücksichtigung seiner Verfassungsreform, zu der gegenwärtig eine Volksabstimmung stattfindet.

- Bedeutung Russlands für das Weltklima. In Russland, dessen Waldfläche größer ist als die der Urwälder in Südamerika, flackerten in der Zeit, als wir dort waren, Waldbrände von der Größenordnung von deutschen Bundesländern auf. Solche Waldbrände und die sonstige Klimaerwärmung in Sibirien haben nicht nur hinsichtlich des CO2-Ausstoßes, sondern auch wegen des Schmelzens von Böden mit Permafrost und der damit verbundenen Freisetzung von Methan-Gas erhebliche Umweltauswirkungen.

 

 

Brief des Vorsitzenden: Wie geht es weiter mit der LESE in Corona - Zeiten?

Liebe LESE-Freundinnen,

liebe LESE-Freunde,

 

der Vorstand hat aufgrund des Ergebnisses seiner Umfrage zu Video-Vorträgen entschieden, dieses Medium nicht anzubieten. Die Antworten zeigten eindeutig, dass dies für unsere Mitglieder nicht attraktiv genug ist, um unsere persönlichen Treffen auch nur annähernd zu ersetzen.

 

Unserem Webmaster Dietrich Engel ist es möglich, kürzere Videos mit Themen über unsere LESE oder auch unsere Mitglieder interessierende Themen auf dem Youtube-Kanal einzustellen, die dann über unsere Website abgerufen werden können. So wäre es möglich,  unseren Mitgliedern nicht nur einzelne Bilder, sondern auch Videos zugänglich zu machen. Dies soll kurzfristig ausprobiert werden. Die Corona-Zeit hat uns allen die sehr große Bedeutung der LESE-Webseite für unseren Zusammenhalt deutlich gemacht.

 

Das Hauptthema der Vorstandssitzung Anfang der Woche war natürlich der weitere Umgang mit der erzwungenen Corona-Veranstaltungspause. Die Leiterin unseres Veranstaltungsausschusses, Frau Karin Schwippert hat dankenswerterweise viele Vorschläge für einen Start zurück in Richtung Normalität gemacht, die vom Vorstand einhellig begrüßt worden sind. Sie reichen vom Theater-Besuch über Ausstellungs-Besichtigungen bis zu einem ersten LESE-Ausflug. Über Einzelheiten werden Sie rechtzeitig unterrichtet, sobald die Details feststehen.

Der erste größere LESE-Veranstaltung im großen Saal der Evangelischen Kirche könnte ein Vortrag des uns von einer früheren LESE-Reise bekannten Europa-Abgeordneten Dr. Axel Voss über den Umgang der EU mit der Corona-Krise sein. Über alle Angebote werden Sie zu gegebener Zeit ausführlich informiert.

 

Ein vorläufiger Höhepunkt wird hoffentlich das für Mitte August geplante Sommerfest im Restaurant des Botanischen Gartens der Universität Bonn werden, falls die dann gültige Fassung der nordrhein-westfälischen Corona-Schutzverordnung dies zulässt. Da die LESE-Mitglieder rund ein Vierteljahr auf ihre gewohnten Treffen und das vielfältige Veranstaltungsangebot verzichten mussten, hat der Vorstand entschieden, dass über den üblichen Sektempfang hinaus auch das Menü von der LESE übernommen wird, sodass nur die eigenen Getränke von den hoffentlich vielen Teilnehmern zu zahlen sind.

 

Im Rahmen der Möglichkeiten, die durch die Corona-Schutzverordnung erlaubt sind, haben sich schon viele Mitglieder im kleineren Rahmen privat getroffen. Ich hoffe, dass wir dies auch bald LESEweit wieder wie gewohnt an unseren Tischen und in den verschiedenen Kreisen tun können.

 

Ich verbleibe mit herzlichen Grüßen und den besten Wünschen für Ihr Wohlergehen

Ihr  

Ulrich Spindler