Quasi durch den Nebeneingang: Von der Kommende Ramersdorf zum Bonner Bogen - die Dezemberwanderung

Liebe Wanderfreunde der LESE,

 durch das „Tor zum Siebengebirge“, nämlich Ittenbach, führten uns Ferdinand und Karin Schäfer, wie es in ihrer Einladung zur November-Wanderung hieß.

 Für unsere Wanderung im Dezember nutzen wir dann wohl eher einen „Nebeneingang“, aber auch dahinter kann sich Interessantes verbergen, z. B.

- die Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Torbogenanlage an der alten Auffahrt zur Kommende                

   Ramersdorf mit dem Pförtnerhaus;

- die Fundstelle des Grabes mit zwei Skeletten aus der jüngeren Altsteinzeit (ca. 12.000 v. Chr.) im    Steinbruch am Stingenberg;

- das Bodendenkmal „Steinerhäuschen“, Reste einer mittelalterlichen Burganlage aus den Anfängen  

   des 10. Jahrhunderts;

- die älteste evangelische Kirche auf dem Gebiet der heutigen Stadt Bonn und eine der ersten

   evangelischen Kirchen im Rheinland, eine schlichte Kapelle in Oberkassel aus dem Jahre 1683.

Und das alles „hautnah“ auf Bonner Stadtgebiet!

Wir treffen uns am

Sonnabend, dem 07. Dezember 2019 um 09:30 Uhr

im „Bonner Bogen“ , Oberkassel in der Joseph-Schumpeter-Allee

(zur näheren Orientierung: aus Beuel kommend  hinter dem Kreisverkehr, etwa

Hausnummern 19-33, Nähe Beta-Klinik).

Nach ca. sieben bis acht Kilometern und einer moderaten Steigung im ersten Drittel kehren wir gegen 12:30 Uhr in unmittelbarer Nähe unseres Ausgangspunktes ein in „L’Osteria“ (u. a. supergroße Pizze; für Senioren reicht eine für zwei), Portlandweg 4, 53227 Bonn, Tel.: 0228/98148488.

Wenn Gäste Lust haben, dabei zu sein: Sie sind herzlich willkommen.

Ewald Stöwe

 

                      

Faszinierende Frauen am Juniorentisch - "Von der femme fragile zur tüchtigen Person" - Fontanes Frauengestalten

Um die literarischen Frauengestalten im Werk Theodor Fontanes, dessen 200. Geburtstag sich am 30. Dezember d. J. jährt, ging es jetzt in einem Vortrag des Junioren-Tischs. Dr. Arnold E. Maurer trug Auszüge aus einem Text seiner Frau Dr. Doris Maurer (+ 2014) vor. Der Titel des Vortrags: „Von der femme fragile zur tüchtigen Person."

Fontane bekennt, dass seine Frauengestalten, denen seine ganze Sympathie gehört, „alle einen Knax weghaben“: „Gerade dadurch sind sie mir lieb, ich verliebe mich in sie, nicht um ihrer Tugenden, sondern um ihrer Menschlichkeiten, d. h. um ihrer Schwächen und Sünden willen.“

Diese Figuren sind vielfach wesentlich farbiger und differenzierter angelegt als die männlichen Protagonisten seiner Romane. Sie scheitern (wie letztlich ja auch die „Männer“) am „Gesellschaftsgötzen“, an sozialen Zwängen, Rollenerwartungen, Vorurteilen.

Ein „Angstapparat aus Kalkül“, den ihr Ehemann Geert von Instetten in „Effi Briest“ zur Lenkung seiner jungen Ehefrau aufbaut, bleibt ohne Wirkung. Effi Briest fällt dem „Damenmann“ Crampas gleichsam zu. Als kompromittierende Briefe gefunden werden, kommt es bekanntlich zu einem Duell, in dem Crampas stirbt. Der „Gesellschaftsgötze“ fordert sein Opfer. Effi wird marginalisiert, das eigene Kind ihr entfremdet. „Am Ende verlöscht Effi, sie darf sterben, aber ihre letzten, scheinbar versöhnlichen Worte, gestaltet Fontane als Anklage gegen die Gesellschaft, der Effi zum Opfer fiel“, heißt es im Vortragsscript.

In „Frau Jenny Treibel“ setzt sich das Besitzbürgertum in Gestalt der titelgebenden Protagonistin durch und weiß die Heirat ihres willensschwachen Sohnes Leopold mit der resoluten Corinna Schmidt, Tochter eines Gymnasiallehrers, zu verhindern. Der soziale Aufstieg durch Heirat, den Jenny Treibel hinter sich hat, wird Corinna durch Jenny verwehrt. Der Roman ist eine geballte Anklage gegenüber dem bornierten, selbstgefälligen Bürgertum, das „von Schiller spricht und Gerson [Gerson von Bleichröder, namhafter Bankier der Zeit] meint“ (Fontane).

Lene Nimptsch in „Irrungen, Wirrungen“ wiederum ist von Anfang an klar, dass ihre Beziehung zu Baron Botho von Rienäcker nicht von Dauer sein kann, so rein, unvoreingenommen und beglückend sie gelebt wird. Die Verbindung von Weißnäherin und adligem Offizier könnte bestenfalls in Amerika Bestand haben. Am Ende muss Botho sich um den Bestand seines Gutes kümmern und heiratet eine reiche Verwandte. Auch Lene ist ein Opfer des „Gesellschaftsgötzen“, aber: „Wenn ich nun dafür bezahlen muss, so zahle ich gern“, lässt Fontane sie sprechen.

„Mathilde Möhrig“ schließlich (dieser Roman erschien posthum) plant konsequent ihren gesellschaftlichen Aufstieg, kümmert sich um den „Schlappier“ Hugo Großmann, hilft ihm durch Studium und Examen, besorgt ihm eine Stelle als Bürgermeister und betreibt im Hintergrund Lokalpolitik. Als Hugo das macht, was er kann, elegant Schlittschuhlaufen, zieht er sich eine Lungenentzündung zu und stirbt. Mathilde ist frei und erfüllt sich „Wunsch Nr. 2“: sie geht nach Berlin zurück und macht das Lehrerinnenexamen: „Sie ging mutig ans Werk (…) Das seitens der Schuldeputation in sie gesetzte Vertrauen hat sie gerechtfertigt.“

Die vier exemplarisch behandelten literarischen Frauengestalten bestätigen Fontanes Diktum, das er allerdings einer Frau, Ebba Rosenberg in „Unwiederbringlich“, in den Mund legt: „Ich sehe nicht ein, warum wir uns immer um die Männer oder gar um ihre Schlachten kümmern sollen; die Geschichte der Frauen ist meist viel interessanter.“ (A.M./e.B.)

"Ad multos annos!" - LESE mit neuem Vorstand

(de). Dr. Ulrich Spindler ist neuer Vorsitzender der LESE. Die diesjährige Mitgliederversammlung wählte den Physiker jetzt zum Nachfolger von Johann Hahlen. Ebenfalls neu gewählt wurden Dr. Emil Schwippert(Stellvertreter), Christel Pfletschinger (Schriftführerin) und Dr.Wilhelm Kuper(Schatzmeiser). Mit der Wahl von Christel Pfletschinger betrat die LESE Neuland: Nach der Satzungsänderung im vergangenen Jahr ist sie die erste Dame seit der Gründung im Jahr 1787, die in einen Vorstand der Gesellschaft gewählt wurde.

Nach seiner Wahl umriss Ulrich Spindler in einer kurzen Ansprache seine Ansprüche an die LESE.

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

liebe LESE-Freundinnen und Lesefreunde,

 

im Namen des zukünftigen Vorstands danke ich Ihnen für Ihr Vertrauen: Es ehrt uns, dass Sie uns die Führung der LESE für ein Jahr anvertrauen. Unser besonderer Dank gilt an dieser Stelle dem bisherigen Vorstand: den Herren Hahlen, Bachmann, Hetzner und Dr.Schwippert.  Sie haben im vergangenenJahr die Geschicke unserer LESE mit großem Einsatz und vielen Ideen voran gebracht, so dass der neue Vorstand in Ruhe diese Weg fortsetzen kann. Dafür danke ich Ihnen im Namen aller LESE - Mitglieder sehr.

 

Dankenswerterweise haben sich seit 2016 die Herren Pfletschinger, Volck und Sie, Herr Hahlen dazu bereit gefunden, den Vorstandsvorsitz zu übernehmen. Auch viele andere engagieren sich zum Wohle unserer Gemeinschaft, sei es als Leiter oder Mitglied eines der LESE-Ausschüsse, oder als Leiter eines der vielen LESE-Kreise wie Singen oder Bridge, wo hervorragende Arbeit geleistet wird. Last but not least sind wir sicher der einzige Club, der einen Engel als Webmaster hat!

 

Die LESE ist eine Gesellschaft, der wir alle viele schöne und interessante Erlebnisse verdanken. Was sie vor anderen Clubs auszeichnet sind die starken persönlichen Beziehungen die sich bei uns im Laufe der Jahre herausgebildet haben. Dies basiert auf den Kreisen, wie zum Beispiel der Wandergruppe, die dies sehr fördern, vor allem aber auf unseren fast familiären Untergruppen - den Tischen -, die ein wirklich gutes Kennenlernen und ein bereicherndes Miteinander ermöglichen.

 

Es ist auch sehr zu begrüßen, dass ein Ausschuss „Zukunft der LESE“ Vorschläge für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft machte, so dass auch die Anzahl der Mitglieder wieder zunimmt. Überlebenswichtig ist jedoch, dass Jahr für Jahr Mitglieder bereit sind einen neuen Vorstand zu bilden; denn ein Verein – egal ob alt-rechtlich wie der unsere oder eingetragener Verein gemäß BGB – ohne Vorstand ist in seiner Existenz gefährdet.

 

So freue ich mich im Vorstand 2020 auf die Zusammenarbeit mit Christel Pfletschinger, Emil Schwippert und Wilhelm Kuper. Ich sage mit Bedacht 2020, denn wir alle vier übernehmen unser Amt nur für ein Jahr bis zur nächsten Mitgliederversammlung. Die bewusste Beschränkung der beiden letzten Vorstände auf eine Amtszeit von einem Jahr führt zukünftig vielleicht zu einer größeren Bereitschaft bei unseren Mitgliedern, Vorstandsverantwortung zu übernehmen.

 

In diesem Zusammenhang bin ich allen Mitgliedern dankbar, dass durch die Satzungsänderung die Mitgliedschaft in der LESE nun unabhängig vom Geschlecht möglich ist. Diese Erweiterung hat schon viele neue Ideen in die LESE gebracht, z.B. in dem jetzt von Frau Schwippert geleiteten Veranstaltungs-Ausschuss. Sie vergrößert aber vor allem auch den Fundus, aus dem zukünftig die Vorstandsarbeit weitergeführt und belebt werden kann. Wir haben mit Christel Pfletschinger einen ersten Schritt in diese Richtung getan.

 

Die vorletzte Mitgliederversammlung begann damit, dass auf Vorschlag von Herrn Wolfshohl das Beethoven-Haus Bonn als Erbe der LESE eingesetzt worden ist. Der neue Vorstand hofft aber - und ist darin mit Ihnen allen sicherlich einig, dass dieser Erbfall noch in weiter Ferne liegt und stattdessen noch viele gemeinsame frohe und glückliche Jahre vor uns liegen: Ad multos annos!

 

US, 7.11.2019