Geschichte

Die Bonner LESE

Die „Lese- und Erholungs-Gesellschaft“, meistens kurz „LESE“ genannt, ist eine ehrwürdige und gleichzeitig auch heute sehr lebendige Institution im Bonner Raum. Sie wurde 1787 – im Zeitalter der „Aufklärung“ – gegründet von bürgerlichen und „Standespersonen“, die sich gemeinsam Literatur, Kunst, Wissenschaft und Fragen der Zeit widmen und durch den Bezug von Zeitungen, Büchern und Schriften, die für den Einzelnen damals nur schwer erschwinglich waren, auf dem Laufenden halten wollten.

Die Bonner LESEDas damals geschaffene Symbol der LESE, ein Bienenkorb mit ein- und ausfliegenden Bienen, sollte ausdrücken, dass man - wie die Bienen den Honig - die geistige Nahrung für sich u n d für die Gemeinschaft sammeln wollte: „Et sibi et aliis“.

Anders als in benachbarten Territorien, wo Lesegesellschaften wegen ihrer freiheitlich-demokratischen Tendenzen kritisch beobachtet wurden, erfreute sich die Bonner LESE der aktiven Förderung durch den damaligen Landesherrn, Maximilian Franz „Erzbischof zu Coeln und des Heiligen Roemischen Reichs durch Italien Erzkanzler und Churfürst“, den jüngsten Sohn der Kaiserin Maria Theresia und Bruder des nachmaligen reformfreudigen Kaisers Joseph II.

Zu den ersten Mitgliedern der LESE gehörte ihr späterer Vorsitzender Ferdinand Graf Waldstein, auf dessen Initiative der junge Beethoven 1792 vom Kurfürsten nach Wien gesandt wurde. Waldsteins Name wird auf immer mit der Sonate für Klavier op.53 verbunden bleiben, die Beethoven seinem Gönner widmete. Da auch weitere Persönlichkeiten aus Beethovens Freundeskreis der Bonner LESE angehörten –u.a. Simrock. Neefe, Ries und die Brüder von Breuning -, dürfen wir mit Stolz auf diese frühe vielversprechende Zeit unserer Gesellschaft zurückblicken.

Nach der „Säkularisation“, der Eingliederung der Rheinlande in Preußen und der Gründung der Bonner Universität – „ eine Wohltat Preußens“ – wuchs die LESE im 19.Jahrhundert rasch an und vereinigte in ihren Reihen eine große Anzahl führender Köpfe aus Wissenschaft und Verwaltung, Unternehmertum, Adel, Klerus und Militär. Unter den damaligen Mitgliedern finden wir so berühmte Persönlichkeiten wie von Schlegel, Arndt, Niebuhr, Alexander König, Argelander, von Rehfues, Kekulé, von Hammerschmidt und manche andere, deren Namen wir auf heutigen Straßenschildern oder auf Gebäude bezogen wiederfinden.

Nach verschiedenen anderen Domizilen bezog die LESE 1892 das als „schönstes Clubhaus des Rheinlandes“ geltende großzügige Gesellschaftshaus, das sich von der heutigen Adenauerallee bis zum Rhein erstreckte und auch Teile der heutigen Universitätsbibliothek umfasste. Der Ruhm des Hauses zog kurz nach der Eröffnung den Besuch des Kaisers nach sich, dessen Söhne in Bonn studierten und wie die sonstige „gute Gesellschaft“ in der LESE verkehrten.

Am 10.Oktober 1944 sank dieses Haus mit einem großen Teil der Bonner Innenstadt in Schutt und Asche. Der Wiederaufbau der LESE vollzog sich nach dem Krieg in zögerlichen Schritten. Ein Grossteil des wertvollen Grundstücks wurde schließlich 1974/75 in ein gemeinsames Bauvorhaben mit dem Gemeindeverband der evangelischen Kirchen in Bonn zum Bau des heutigen Terrassenhauses eingebracht. Neben den eigenen Räumen in der "Restaurantetage" nutzt die LESE den Festsaal und die Konferenzräume des Gemeindeverbandes sowie die Tiefgarage. Auch deshalb konnte sich wieder ein reges kulturelles und gesellschaftliches Leben in der LESE entwickeln. (Siehe dazu auch die Rubriken „Literaturpreise“, „Veranstaltungen“ und „Restaurant“).