Ein rundum gelungener Abend bei der Lese- und Erholungsgesellschaft: Kürzlich durfte der Vorsitzende Klaus Meyer-Teschendorf rund 30 interessierte Zuhörer begrüßen, die gespannt auf den Vortrag von Gartenbauprofi Markus Radscheit warteten. Und eines vorweg: Niemand wurde enttäuscht.
Das Thema des Abends hatte es in sich: Die abenteuerlichen Reisen des Dr. Philipp Franz von Siebold. Radscheit, der nicht nur Technischer Leiter der Botanischen Gärten der Universität Bonn ist, sondern auch als YouTube-„Gartencoach“ begeistert, nahm uns mit auf eine faszinierende Zeitreise ins 19. Jahrhundert.
Das Abenteuer Japan: Medizin und heimliche Forschung
Er erzählte in einer beeindruckend freien, humorvollen und lebhaften Art von Siebolds bewegtem Leben. Als der deutsche Arzt 1823 im Dienst der Niederländischen Ostindien-Kompanie nach Japan kam, befand sich das Land in der Phase der strikten Abschottung (Sakoku). Ausländern war der Zutritt strengstens untersagt; die Niederländer durften lediglich auf Dejima, einer winzigen, künstlichen Insel vor Nagasaki, eine Handelsstation betreiben.
Doch Siebold ließ sich davon nicht bremsen. Als Faktoreiarzt genoss er ein gewisses Vertrauen und gründete außerhalb der Insel sogar eine medizinische Schule. Er behandelte japanische Patienten, unterrichtete sie in westlicher Medizin und durfte im Gegenzug – trotz strengster Verbote und ständiger Bewachung – das Land und seine Natur erforschen. Akribisch sammelte und dokumentierte er unzählige Pflanzen- und Tierproben, die der westlichen Welt bis dahin völlig unbekannt waren. Viele unserer heutigen Gartenlieblinge wie der Blauglockenbaum, das Dickmännchen oder die winterharte Banane verdanken wir seinen damaligen Entdeckungen.
Ein Forscher mit absolutem Geschäftssinn
Besonders spannend: Siebold war kein reiner Elfenbeinturm-Wissenschaftler. Neben seinem Forscherdrang besaß er einen unglaublichen Geschäftstrieb. Er wusste genau, wie man botanische Schätze vermarktet. So gründete er später während seiner Bonner Zeit am Alten Zoll eine florierende Versandgärtnerei, über die seine in Japan mühsam gesammelten Pflanzen Einzug in die europäischen Gärten hielten.
Begeisterung im Saal
Markus Radscheit, der selbst schon mehrfach in Japan war, dort Studienreisen leitete und Mitglied der Deutschen Siebold-Gesellschaft ist, steckte das Publikum förmlich mit seiner Leidenschaft an. Seine Expertise und die lebendigen Geschichten zogen die rund 30 Gäste von der ersten Minute an in den Bann. Das Fazit des Abends? Ein absolut gelungener, kurzweiliger Vortrag, der das Publikum sichtlich bewegte und zum Schluss mit einem fast enthusiastischen Beifall belohnt wurde! Ein großes Dankeschön an Markus Radscheit für diesen tollen Einblick in das lebendige botanische Erbe, das bis heute in unseren Gärten blüht.(e.B./de/Gi)

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